Aufsatz 
Apologetische Würdigung der Kindertaufe
Entstehung
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11 ligen Zeit es mit ſich brachten, daß die Kindertaufe, auch wenn ſie ſtatt ſand, un⸗ möglich die Aufmerkſamkeit und das Intereſſe auf ſich zichen fonnte, als die Taufe Erwachſeuer. Durch jene fand nicht ſowobl eine Weiterverbreitung, als vielmehr nur die Erhaltung dee Chriſtenthums in den Kreiſen ſtatt, welche es bereits für ſich ge⸗ wonnen hatte.

Je mehr nun aber damals auf die Gründung neuer chriſtlich er Familien, auf die Bildung neuer chriſtlicher Gemeinden, auf das Wachstbum der Kirche nach Außen hin, auf die Belehrung der Juden und Heiden zum Chriſtenthum das vorherrſchende In⸗ kereſſe gerichtet war und gerichtet ſein mußte, und je größer bei dem Eifer, mit wel⸗ chem die damalige Kirche ihrem Miſſionsberufe oblag, und bei der unwiderſtehlichen Kraft, mit welcher das göttliche Licht, das ſie in ihrem Leben leuchten ließ, alle nur irgend empfänglichen und beilsbegierigen Seelen anzog, immer die Zahl von Juden oder Heiden war, welche die Aufnahme in die Lebensgemeinſchaft mit dem Erlöſer und den Erlöſten begehrten; deſto mehr mußte nothwendig die Kindertaufe hinter der Pro⸗ ſelytentaufe, wenn auch nicht lange fort hinſichtlich der Zahl, doch immer hinſichtlich der öffentlichen Theilnahme, die ſie erregte, zurückſtehen. Wir müſſen uns ſorgfältig hüten, die durch unſere kirchliche Praris uns geläufigen Vorſtellungen irgendwie zum Maßſtabe für die Beurtheilung der ganz anderen Zuſtände und Verhältniſſe der erſten chriſtlichen Zeit zu machen. Die Zeit der erſten Ausbreitung, die Eroberungszeit des Chriſtenthums, iſt von der ſeiner Herrſchaft und ſeines ruhigen Beſitzes, in welchen es ſich vorzugsweiſe nur um Erhaltung, Fortpflanzung und innere Fortbildung handelt, weſentlich verſchieden.*)

Liegt es ſomit vor, daß Tertullian als Neformator einer kirchlichen Sitte, nicht aber als erſter Begründer oder Vertheidiger der Kindertaufe, auftritt, ſo gehört nur das einfachſte hiſtoriſche Gefühl dazu, um ſich dafür auszuſprechen, daß nicht mit einem Neuen, eben erſt Gewordnen, er es zu thun hatte. Kirchliche Sitten und Ordnungen gehören aber gewiß nicht zu dem, was ſo ſchnell ſich bildet und feſtſetzt, als etwa unter den heute ſo veränderten Verhältniſſen des ungehemmten Verkehrs und der

9 O. Hofliug, pag. 105.