Aufsatz 
Apologetische Würdigung der Kindertaufe
Entstehung
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an's Ende des menſchlichen Lebens gelegt, damit das Tauſſaerament in ſeinem inner⸗ ſten Weſen verkannt, auch ſelbſt die Bedeutung der Taufzeugen falſch aufgefaßt werden müßte. Auch hier wiegt der Grund vor, den man bis zu dieſer Stunde noch gegen die Kindertaufe geltend macht, daß im Kinde die erkenntnißmäßige Entwickelung nicht bis zu dem Puntkte gediehen ſei, um die volle Wirkſamkeit der Taufe erwarten zu dür⸗ fen. Nützlicher, und zwar nach den zufälligen Verhältniſſen ſelbſt, ſei das Aufſchieben, als das Beeilen der Taufe, zumal bei den Kindern. Laſſen wir die dogmatiſche Würdigung dieſer Anſicht ganz bei Seite, ſo iſt Tertullians Erklärung gegen die Kin⸗ dertaufe als ein vollgültiges Zeugniß dafür zu erkennen, daß zu ſeiner Zeit die Sitte ſchon allgemein war, die Kinder zu taufen. Denn in keiner Art kommt es ihm zu Sinne, dieſe Sitte von der Scite ihrer Neuheit anzugreifen, ſich darüber auszuſprechen, daß ſie jetzt etwa auch in ſeiner Umgebung, in ſeiner eignen Gemeinde einreiße, nir⸗ gends eifert er, wie gegen andere Bräuche, daß ſie von der guten alten Sitte abweiche und gegen die apoſtoliſche Trarition ſei. Wie ein Beſtehendes zweckmäßiger einzurichten, wie Gefahren dabei zu entfernen ſeien, ſo erklärt er ſich über die Kindertaufe. Gewiß für den Unbeſangenen genug, um die Ueberzeugung zu begründen, daß nicht erſt durch Auguſtin's Erbſündenlehre die Kindertaufe allgemein geworden ſei, wie z. B. von Lange) behauptet wird, und wie gewöhnlich in anabaptiſtiſchen Schriften, oft auch bei reform. Dogmatikern, dieſe Behauptung wiederholt wird. Der Umſtand, daß Tertullian der erſte iſt, der ganz ausdrücklich von der Kindertaufe ſpricht, würde zu der Folgerung, daß ſie bis gegen das Ende des zweiten Jahrhunderts hin entweder gar nicht, oder doch nur als ein vereinzelter, vielfach wiederſprochener Gebrauch ſtatt gefunden habe, nur dann berechtigen, wenn ſchon ein Anderer vor ihm ein Buch über die Taufe geſchrieben und ſo die gleiche Veranlaſſung und Aufforderung gehabt hätte, ihrer zu gedenken. Da nun dies nicht der Fall iſt, können wir uns zu einem argu- mentum ex silentio um ſo weniger für berechtigt erachten, als die chriſtliche Literatur vor Tertullian, welche nichts weniger als zablreich und umfaſſend iſt, auch über ſo vieles Andere uns im Dunkeln und Ungewiſſen läßt, und alle Verhältniſſe der dama⸗

7) A. a. O. p. N.