Aufsatz 
Apologetische Würdigung der Kindertaufe
Entstehung
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nicht ausdrücklich in der Schrift angeordnet iſt, und man darum glaubte, ihr vor⸗ halten zu dürfen, daß ſie der Abſicht Jeſu bei Stiftung des Taufſacramentes nicht ganz entſpreche; daß ihr Allgemeinwerden aus einer dogmatiſch befangenen Zeit her⸗ rühre; daß der Sacramentsbegriff durch ihre Zulaſſung beeinträchtigt werde, und daß practiſch ſie nur ſchwer von manchen Unzuträglichkeiten fern zu halten ſei.

Nur ſchüchtern wagt man auf proteſtantiſchem Gebicte ein Wort für eine vernünf⸗ tig begränzte Berechtigung der Tradition aus der erſten chriſtlichen Zeit zu reden, und doch iſt ſie unverkennbar für die eregetiſche Behandlung der neuteſtamentlichen Schriften von ſo entſchiedener Bedeutung. Ehe darum die exegetiſche Begründung der Kinder⸗ taufe verſucht werden ſoll, ſchicke ich voran:

Hiſtoriſche Erörterung der Kindertaufe.

Die früheſten geſchichtlichen Spuren pflegt man gewöhnlich in den Schriften des Kirchenvaters Tertullian( 220 n. Chr.) aufzuzeigen. Er iſt der Erſte, der die Taufe zum Gegenſtand einer eigenen Schrift gemacht bat, und er glaubt ſich gegen die Kindertaufe erklären zu müſſen. Aber man leſe de baptismo cap. 18, und man wird einſeben, daß die Gründe), mit welchen er die Kindertaufe als bedenklich hin⸗ zuſtellen unternimmt, aus Anſichten bervorgegangen ſind, die nicht mit der Lehre der Schrift über den natürlichen Zuſtand des Menſchen, nicht mit der Idee des Glaubens uud des Sacramentes ſtimmen, und folgerichtig fordern müßten, daß die Taufe erſt

6) Vergl. Münſcher, W., Lehrbuch der chriſtl. Dogmengeſchichte. 3. Aufl. Herausg. von D. v. Cölln. Caſſel 1832. pag. 470:

Itaque pro cujusque personae conditione ac dispositione etiam aetate cunclatio baptismi utilior est: praecipue tamen circa parvulos. Quid enim necesse est sponsores(Taufzeugen) etiam periculo ingeri? Ait quidem dominus:»Nolite eos prohibere ad me venire.« Veniant ergo. dum adolescunt, dum duo veniant, docentur: fant Christiani cum Christum nosse potuerint. Quid festinat innocens aetas ad remissionem peccatorum? Cautius agetur in saecularibus: ut cui substantia terrena non creditur, divina credatur. Norint petere salutem. ut pententi dedisse videaris... Si qui pondus intelligant baptismi. magis timebunt consecu-

tionem quam dilationem: fides integra secura est de salute. 2