Aufsatz 
Apologetische Würdigung der Kindertaufe
Entstehung
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Wie unzählige Hände ſind heute geſchäftig, die Krebsſchaden in den vielverzweig⸗ ten Gewinden unſerer Staaten zu heilen, und uns eine neue lebenskräftige Pflanze zu erziehen. Aber nur ſchüchtern wagt hier und da eine Stimme darauf hinzuweiſen, daß tiefer, nicht in den Zweigen, nicht in dem Stamme, daß tiefer die Krankheit ſitzt; dort wo der Staat ſeine Lebens⸗ und Befeſtigungswurzeln in den Schoos der Reli⸗ gion eingetrieben haben muß. Verletzungen, häufiger und allgemeiner werdende Ver⸗ letzungen der Eidestreue, Gleichgültigkeit gegen Gottes Zeugniß, das im Eide ſein ſoll: das ſind die ſicherſten, das die unheilbarſten Vorboten einer nahen Verweſung, welcher der Staat vor dem erſten Sturme zum Opfer fällt. Der Staat muß hier ſeine Hilfe, ſeine Rettung von der Kirche fordern. Er ſelbſt ſchafft ſie ſich nicht, ſo wenig, wie der Eid von ihm geſchaffen iſt.

Und die Kirche, wo findeſt du in ihr die erſten Spuren, die leider nur zu vielen Augen geheimen, ganz verborgenen Vorzeichen einer ſchweren Zerrüttung? Auch tief unten. Dort, wo das Göttliche und Menſchliche, das Subjective und Objective, in einer unzertrennbaren Einheit an einandergeſchloſſen, vielmehr in einander geſchaffen ſind: an den Sacramenten. Wie man gegen ſie anfängt leichtfertiger zu denken, wie man ſie in den Kreis des Verſtandesgerichtes zieht, und über ſie aburtheilt nach der Kategorie des Begreifens, wie der Ruf: Kommt, es iſt Alles bereitet! im⸗ mer wenigere willige Herzen trifft: da hat der kirchliche Horizont jene unheimliche Röthe, die auf nahen Sturm deutet. Solchen Sturm beſchwörſt du nicht mit neuen Kirchen⸗ verfaſſungen, nicht durch das innigere Anſchließen der gottesdienſtlichen Feier an das Volksleben, in Volksfeſten ꝛc.*), nicht durch Einführung neuer Agenden und liturgi⸗ ſchen Ordnungen. Denn das Uebel ſitzt eben tiefer; dort, wo in dir ein Bethesda geſchaffen iſt, deſſen Segen du merkeſt, wenn eine Kraft von oben ihn anrühret; in dem Anfangspunkte der Religion in dir ſelbſt. Religion iſt ja auch ſo wenig eiwas bloß von dir aus Erzeugtes, Gemachtes, Erworbenes, als etwas bloß dir Gegebenes, dir Anerſchaffenes, dir Eingepfropftes.In Gott leben und weben und ſind wirn, ſo ſpricht das Wort deines Herzens das heil. Gefühl der Religion aus, hat

*) Bretſchneider, Theologie u. Revolution. 1835. S. 165 f.

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