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Glaubens angehören, die ein Gemüth verlangen, das dem Hereinragen einer ſeligen Welt hoffend ſein innerſtes Heiligthum aufgethan hat!
Iſt nicht die Entwickelung unſerer Zeit in Wiſſenſchaft und Leben vorherrſchend ſubjectiv? Wer erkennt noch eine Auctorität an, wo Alles, was ſeinen Beſtand auf eine vergangene Entwickelung gründet, grade darum ſchon mit Mißtrauen angeſehen und möglichſt entfernt werden ſoll? Die Autonomie unſers Geiſtes, d. h. eigentlich des Verſtandes, wird über alle Gebühr geltend gemacht; an eine Schranke desſelben, an eine ſo nahe liegende Unſicherheit ſeiner Reſultate, darf man kaum mehr erinnern. Ich kann mir's nicht denken, ich kann es nicht begreifen; alſo binweg! an's Kreuz!— Vor dieſem Rufe findet der hehre Engel des Glaubens immer ſeltner eine geweihte Stätte.
Den Staat ohne Kirche; den ehrlichen Mann ohne allen Beigeſchmack einer kirch⸗ lichen Frömmigkeit ¹); eine Religionslehre ohne alles Geheimnißvolle: das ſind die Grundforderungen unſerer Zeit. Ja, ſelbſt die moraliſchen Anſprüche, die man ſonſt an das Individuum zu ſtellen pflegte, ſind auf manchen Gebieten ſehr herabgeſtimmt worden, da man den Maßſtab der Sittlichkeit, die Religion, allmählich faſt aus der Hand verloren hat.
Darf man noch über Verfall des kirchlichen Lebens ein fragendes Wort wagen, wenn das religiöſe Leben ſchon unter ſo verwiſchten Farben der Betrachtung ſich dar⸗ bietet?
Hoch oben in den Zweigen merkeſt du die erſten Zeichen des Verderbens an dem Baume, deß Frucht dich bisher erfreut, deſſen Schatten dich geſchützt hatte vor Sturm und Sonnengluth. Du ſchneideſt die brandigen Zweige ab, an andern bricht die Krankheit aus; du wirfſt endlich mit betrübtem Herzen ganze Aeſte Herunter und ver⸗ ſucheſt neue Reiſer einzupfropfen; vergeblich! Dem unerfahrenen Auge verborgen, dort, wo die Pflanze ihre letzten Lebensadern in den mütterlichen Boden geſenkt hat, dort an den Wurzeln die Krankheit; du ſiehſt ſie nicht.
1) Vergl. Denkſchrift d. evang.⸗theol. Seminars f. d. Jahr 1844, von Dr. W. Otto. Her⸗ born 1844. pag. 73 ff.


