Aufsatz 
Griechische Etymologien / von Emanuel Bernhardt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

überwiegt, da sich aus dieser die übrigen leicht und natürlich entwickeln lassen, so spricht alle Wahrscheinlichkeit gegen die Ableitungen aus da⁵μ-⁴ς, Jalo, T8ν ο, é, falls andre, die der Bedeutung noch näher liegen, lautlich möglich oder gar noch annehmbarer sind. Sehr nahe liegt nun die Herleitung von d=, zumal da in Angirnp dasselbe Wort dieselbe Lautver- änderung im Griechischen, erfahren hat und die Beschränkung des BegriffsLand auf einen enger begrenzten Bezirk hätte eine schöne Analogie in dem deutschenGau, goth. gavi, wel- ches dasselbe Wert mit, skr. g0, ist. Aber auffallend ist die Weiterbildung des Worts durch das Suffix-uox und wahrscheinlich gehört das à zum Stamm, in welchem Fall die Ety- mologie von Ahrens den Vorzug verdient. Ursprünglich identisch mit d6, das Haus, hat es dieselbe Erweiterung der Bedeutung erfahren, wie das lat. vicus= olæog und wie dieses die ursprüngliche eingebüsst. Aus V, bauen(skr. dam), konnte sich ebenso gut αεσ als Jos bilden und die dem erstern stets, auch in seiner lokalen Bedeutung, zu Grunde liegende Beziehung auf die bewohnenden Menschen(denn es heisst bewohnter Bezirk, Wohnplatz) erklärt sich durch diese Etymologie am befriedigendsten.

Das dritte Synonymum fürVolk ist àSvos, das im Homer noch Digamma hat, also FéSvog, und einen allgemeineren Grundbegriff zeigt als àας, indem es II. 13, 495 heisst: 6 FLèe AAνν‿ ½ε ν οmσ ιmπη⁴.νεενον Feν αννι. Häufig ist der Vers: d εέᷣιρν ες FESvOS E&Tdsero* ⁴eπαιενέυνν(cf. 3, 32. 11, 586. al.- 11, 595.). Wie reSvo& ErAεν, 80 heisst es auch réSvog AXai(17, 552), Aubxle α τενοε(12, 330). Ferner FeSvea mrE05 (11, 724). Wie von Lebenden, so wird es auch von Todten gebraucht: Od. 11, 631 aAaoa piv Eab FéSpe' d†ipero Ha ve*(ck. 10, 526. 14, 73), wie von Menschen, so auch von Thieren: II. 21, 87 reSvea Helασσα⁴νν ib. 459 opviSoy FéSueνo*τοαλ⁴ 0d. 14, 73 Fesvea Xoiεεο. In diesem Gebrauche hat es offenbar grosse Aehnlichkeit mit Pöhov, denn es heisst

II. 17, 220 ztzhvre bvpia cüha eενενι⁶ινννέκν εέπηιηαιννμ ähnlich dem èνod Srαᷣρν ha Pvαναν(II. 9, 130) Pr²a Se6(15, 54. al.) und von Thieren 18, 30: eιριμό Aααe⁴μεν dmννια ꝓeᷣ a, via.

Beiden Wörtern liegt der Begriff der Gattungs- oder Artgleichheit zu Grunde, sie bezeich- nen eine gleichartige Masse, eine Masse gleichen Ursprungs. Wie nun craov von V Sv entstehen, werden, wachsen, herkommt, so ist réeSox sicherlich einer Wurzel ähnlicher Bedeu- tung entsprossen. Nun heisst die V vrdh und mit Verlust des vau rdhwachsen; letztere existirt im Griechischen in der Gestalt von às,, wovon z. B. 4Soα= νos(Lob. rhem. p. 300) AS- Fpl(= llorentia. K. Z. III, 154.). Wie in der verstümmelten, so konnte auch in der volleren Wurzelform statt des Vokals r a eintreten und so aus vrdh- vadh entstehen (Vgl. nrt= nat, tanzen, Benf. WL. 1, 49), ja es existirt im Skr. eine V vah- wachsen, deren h aus dh entstanden ist(Bopp Gloss. sanscr. s. v. Benfey WL. II, 88) und diesem vadh entspricht genau gr. res-, worauf Benf. I. J. gewiss mit Recht résvog zurückführt. Eine Bestätigung für die, Existenz einer solchen Wurzelform glaube ich noch darin zu finden, dass sich auch das Wort Seipa(réSeipat), Haare, aus derselben am einfachsten erklärt. Wie nämlich Spis, das Haar, von einer trh, wachsen, unzweifelhaft herzuleiten ist(Bf. WL. JI, 95. Bopp Gl. S. s. v. trüh), wie ferner skr. rôman, das Haar, von V ruh, wachsen, kommt, so liegt es nahe, auch FéSeipan auf eine gleichbedeutende Wurzel zurückzuführen.