nungen auszuscheiden. Dann erst war man vor die weitere schwerwiegende Frage ge- stellt:„Wie sollen wir dieses unbedingt Not- wendige den Schülern der Mittelstufe bei- bringen?“
Mit der ersten Frage von der Notwen- digkeit einer Sichtung des syntaktischen Stoffes für die Aufgabe der Schule beschäftigt sich die ausserst lehrreiche und mit rühmlichem Fleisse gearbeitete Schrift von A. Joost.¹) Er weist in statistischen Tabellen nach, wie oft die einzelnen syntaktischen Erscheinungen in der Anabasis vorkommen, und zieht daraus Schlüsse bezüglich ihrer Wichtigkeit für den Unterricht. Es ist ja ohne Zweifel im Laufe der letzten zehn Jahre durch fleissige philologische Unter- suchungen auf dem Gebiete der griechischen Formenlehre nicht minder, als auf dem der Syntax gar mancher Ballast aus den Schul- grammatiken entfernt worden, aber man kann,
wenn man mit uns die Zwecke des elemen-
taren griechischen Syntax-Unterrichts im Auge hat, nicht erst sämtliche sprach- historischen
Untersuchungen auf dem gewaltigen Gebiete
der griechischen Autoren abwarten, bis man sich über die Grenzpunkte des Notwendigen und des Uberflüssigen für die Schülerwelt ent- gültig entscheidet. Hier muss bis zur der- einstigen abschliessenden wissenschaftlichen Un- tersuchung die praktische Erfahrung und der Takt des Lehrers entscheiden.
Auch A. Gehring:) beschäftigt sich mit der Einschränkung des syntaktischen Stoffes für die Schüler, Er begründet die Mög- lichkeit und Notwendigkeit derselben durch fol- gende Gesichtspunkte: 1) Der griechische syn- taktische Unterricht ist nicht Selbstzweck. 2) Er wird auf die wichtigsten Erscheinungen der Hauptschriftsteller beschränkt. 3) Er wird nicht um der formalen Ausbildung willen erteilt. 4) Der Schüler wird im reiferen Alter in denselben eingeführt. 5) Es kommt ihm die Vorarbeit des lateinischen Unterrichts zugute.
Diesen Erwägungen stimmen wir rück- haltslos zu. Besonders bezüglich der Vorarbeit des lateinischen Unterrichts haben auch schon andere, wie z. B. Eckstein a a. O., ähn- liche Gedanken ausgesprochen und gefordert,
¹) Was ergiebt sich aus dem Sprachgebrauch Xenophons in der Anabasis für d. Behandl d. griech, Syntax in d. Schule? Berlin, Weidmann 1892. ») Die Behandl. der griech Syntax in Ober- Tertia und Sekunda, Progr. d. Gymm., Gera 1886.
dass auf die Ahnlichkeit mit den lateinischen syntaktischen Gesetzen hingewiesen und oft nur das Unterscheidendce hervorgehoben wer- de. Wir werden diesem Punkte weiter unten noch mehr Beachtung schenken müssen, wenn wir die Lehrpläne von 1891 besprechen.
Eine weitere Einschränkung des syntak- tischen Lehrmaterials für die Schule ist möglich, wenn wir das dem Deutschen, Latei- nischen und Griechischen Gemein- same feststellen, beleuchten und für unsere Schulen gruppieren. Auch durch eine scharfe Begriffsbestimmung, besonders bei der Modus- lehrce, lässt sich viel überflüssiges Regel- und Deſinitionswerk über Bord werfen, worüber man des näheren den Aufsatz von Waldec ki) ver- gleichen möge. Man schärft dadurch, dass man überall das Unterscheidende und für den grie- chischen Sprachgebrauch Charakteristische scharf hervorhebt, die Denkthätigkeit der Zöglinge.
Ob man allerdings jetzt schon den Ge- danken einer Parallelgrammatik mit F. Horneman nꝰ) in die That übersetzen kann, möchten wir bezweifeln. Dieser Plan muss sich noch mehr ausreifen, damit nicht etwa durch allzu feine Spitzfindigkeiten der syntaktische Un- terricht statt einer Vereinfachung eine Belastung erfahre. Indessen, wir gestehen, dass die Durch- führung des Planes des Schweisses der Edeln wert ist..
Auch was Holzweissig ³) bezüglich einer scharfen Begriffsbestimmung bei der Ka- suslehre sagt, indem er zeigt, wie man die Schüler durch die Belehrung über das Wesen der einzelnen Kasus fördern kann, wobei man, soweit es für die Schule thunlich erscheint, die vergleichende Sprachforschung zu Rate ziehen mag, ist der ernstesten Beachtung wert Denn so viel haben wir schon wiederholt beobachtet, dass die Schüler, wenn man ihnen beispiels- weise den Genetiv als Kasus des Ursprungs und des Zieles, also gleichsam als Ausgangs- und als Endpunkt klar gemacht hat, mit einem Schlage eine ganze Fülle syntaktischer Erscheinungen als vernünftig und selbstverständ-
¹) Die Gemeinsamkeit der Satzlehre in den Schulsprachen, Lehrprob. 37. p. 18 ff.
²) liber Namengebung und Anordnung einer Parallelgram., Lehrp. 20..
„ln wias vent können die Ergebnisse der ver- gleichenden Sprachforschung beim Elementarunter- richt in d. griech, Kasussyntax verwertet werden?
Progr., Gymn., Bielefeld, 1877.


