Wie lehren wir die elcmentare griechische Syntax im Anschluss an die Lektüre?
Von Oberlehrer Dr. Wilhelm Bauder.
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Dass bei dem Erlernen der griechischen Syntax in den Mittelklassen unserer Gymnasien auf die Lektüre der Schulautoren die ernsteste Rücksicht zu nehmen sei, ist eine schon lange vor den Lehrplänen von 1891 wiederholt auf- gestellte Forderung. Schon auf der Direktoren- Konferenz in Pommern¹) wurde beschlossen: „In Ober-Tertia Berücksichtigung der Syntax nur praktisch, wenn das Lesen dazu Anlass giebt.“ Auf der Versammlung in Preussen 1883(unter No 13) werden die einfachsten syntaktischen Regeln verlangt,„soweit sie für das Verständnis der Anabasis unbedingt erforderlich sind.“ Auch in Schleswig- Holstein wurde 1884 verlangt, dass der syn- taktische Unterricht der Sekunda in Ober-Tertia insofern vorzubereiten sei, als die wichtigsten Thatsachen der Kasuslehre, die gebräuchlichsten Präpositionen, die in der Lektüre häufig vor- kommenden Participial- und Infinitivkonstruk- tionen in unmittelbarem Anschlusse an den Schriftsteller empirisch eingeprägt wer- den. Es wurde ferner als nicht ausgeschlossen bezeichnet, dass daneben Belehrungen über einzelne Teile der Moduslehre gegeben würden. Auch die Versammlung in Posen 1885 weist darauf hin, dass die Schüler in Ober- Tertia mit den einfachsten syntaktischen Regeln, „Soweit sie für das Verständnis der Ana- basis erforderlich sind, bekannt zu machen seien.“
Auch die Lehrpläne von 1882 hatten schon die Forderung aufgestellt, dass der Un- terricht in der griechischen Grammatik sich ganz in den Dienst der Lektüre zu stellen habe, und in der Formenlehre und Syntax alles zu diesem Zwecke nicht unbedingt Notwendige auszuscheiden,„das Wesentliche dafür aber um so fester einzuprägen sei“ ²)
²) Killmann, die Direktoren-Versammlungen d. Königr. Preussen, p. 354.—
¹) Vgl Verhandlungen in der Rheinprov. 1884, (Killmann).
Auch Ecksteini) verlangt in Ober-T. Propädeutischen Unterricht an der„le- bendigen Sprache der Schriftsteller.“ Mit ihm stimmt überein Schiller,²) wenn er fordert, dass die Behandiung der gricchischen Syntax „an der Lektüre erfolge, teils des Ubungsbuches, teils an Xenophons Anabasis.“ Diesem Grundsatze, dass die griechische Schulgrammatik mit der Lektüre in Verbindung stehen und sich auf den Kreis von Spracherscheinungen be- schränken müsse, welchen die Schulautoren darbieten, huldigt übrigens auch Otto Will- m ann. ³) Dass neben der empirischen Be- handlung der Kasuslehre in O-T. die syste- matische recht knapp zu halten sei, betont mit Recht W. Vollbrecht.¹) Auch O. Reh- dantz,5) auf den wir später nochmals zurück- kommen werden, geht von der Ansicht aus, dass die Anabasis noch lange Schulbuch bleiben werde, und zeigt, wie die syntaktischen Be- lehrungen an die Lektüre angeknüpft werden sollen.
So sehen wir denn also eine erfreuliche Ubereinstimmung betreffs der Forderung eines engeren Anschlusses des vorbereitenden syn- taktischen Unterrichts an die Lektüre, vor allem an die Anabasis. Auch wird fast überall betont, dass nur die wesentlichsten Erschein- ungen auf dieser Stufe hervorzuheben und ein- zuprägen seien. So entstand denn die Frage: „Was ist wesentlich, und was ist demzufolge notwendig?“ Man musste also nach Mitteln und Wegen suchen, das für den Schüler un- bedingt Notwendige aus der Fülle der Erschei-
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³) Didaktik als Bildungslehre, Braunschweig 1889, 2. Band, p. 273.
⁴) S. Jahrb. für Phil. u. Paed, 1890, II. p. 318.
⁵) Bemerkungen allgemeiner Art über d. Un- terr. im Übersetzen griech. Autoren, Berl. Z. f. d. G. W., 1851, p. 393.


