- allgemeiner auf die Schulaufgabe ein. Im Rechnen herrschte seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts das Rechenbuch von Thomas Flügel, der Schulmeister verzichtete meist darauf, eine Methode zu erwählen. Das Buch von Flügel wurde von Anfang bis zu Ende durch- gerechnet, vielleicht auch ein zweites und drittes mal, wie der Revisionsbericht von 1809 behauptet. Ich selbst habe in der Bibliothek der Musterschule zwei Exemplare dieses Rechen- buchs aufgefunden, das eine Preusser gehörige, 2. Ausgabe von 1778, in welchem bemerkt steht: den 31. January 1786(angefangen), den 8. January 1787 an der Regula de Tri in benannten gebrochenen Zahlen, und ein zweites aus dem Jahre 1798(4. Aufl.) von Emil Cöster mit der Schlußbemerkung:»Diesen Flügel hab ich den July 99 angefangen und geendet den Jänner 1800, folglich hab ich 7 Monat daran gerechnet.« Man ssieht daraus, daß es eine Ehrensache war, das Buch in möglichst kurzer Frist durchzuarbeiten. In den Privatstunden, in welche meist das Erlernen des Rechnens verlegt war, wurde offenbar nicht viel anders verfahren, und noch 1809 hört man die officielle Klage, daß die Kinder nicht eine leichte Aufgabe aus dem Leben rechnen lernten. Solche bequeme Rechenlehrer, die ein Buch von A bis Z durchrechnen lassen, mag es allerdings auch heute noch geben, aber sie bilden jetzt jedenfalls die Ausnahme, nicht die Regel.
Eigentliche Klasseneinteilungen gab es natürlich nicht, denn die Schule bestand über- haupt nur aus einer Stube, die nur dann hinreichenden Raum bot, wenn der Lehrer wenig Schüler hatte, oder wenn, wie es oft geschah, eine große Anzahl fehlte. Dunstige, heiße, enge Zimmer kamen nur zu oft vor. Die Kunst, alle Abteilungen zugleich zu beschäftigen, wenn auch ein Gehilfe vorhanden oder die Frau Unterstützung bietet, ist wenig ausgebildet. Viele müssen ganze Zeiten unbeschäftigt bleiben. Im allgemeinen bilden sich folgende Haufen: AB0O- Schüler mit der Fibel und Buchstabierschüler mit dem kleinen lutherischen Katechismus(und dem Lesebuche von Appelmann auf der Scheide der Jahrhunderte und noch 1809), Psalmisten, die an den Psalmen ihre Künste üben, die Abteilung des neuen Testamentes und endlich der ganzen Bibel. ²2) Da saßen sie denn oft buchstäblich zu Füßzen des Lehrers, Knaben und Mäd- chen, ²³⁸) klein und groß, und es gab ein Getöse und Gesumme in der dunstigen Stube, sodab die oft wiederholte Klage der Schulmeister über ihre saure Existenz im Schulstaube und in der verdorbenen Luft von Morgen bis Abend, denn nach der eigentlichen Schulzeit kamen die Privatschüler, nicht unbegründet ist. Auch an Schwierigkeit mit dem Hause fehlte es nicht; namentlich haben die Sachsenhäuser Schulmeister im 18. Jahrhundert zu klagen über schlechten Schulbesuch, über Aufhetzung der Schüler, über Schimpfworte, denen sie begegnen. Aber sie selbst zeigen sich auch oft roh genug. So klagt den 10. September 1736 Sturm gegen Christ, dieser habe gedroht, ihm mit dem Messer das Leben zu nehmen, und ein andermal ihn in sei- nem eigenem Hause zu schlagen wegen einiger Kinder, die von jenem in seine(Sturms) Schule gekommen. Derselbe Christ wird wegen unchristlichen, ja mörderlichen Benehmens gegen seine Frau von dem Schulkollegium als scandalöser, unartiger, fauler Apfel bezeichnet, den man zu Evitirung aller übrigen Aergerniß exkludiert und totaliter rejiciert sehen will. Im März 1746 läßt die Frau des Schulmeisters Geißler dem Schulmeister Tausent durch Schulkinder sagen, wenn er Fastnacht Schule halte, sei er ein Spitzbube, ein Galgenstrick, und Geibler selbst nennt ihn deshalb schriftlich einen Bärenhäuter und läßt dann dieses Schriftstück, nachdem es von den Schulmeistern Mann und Lipp unterschrieben ist, offen durch Schulkinder dem Schulmeister
²⁷) Nach dem Stellwagschen Bericht von 1809 waren die uralten Abteilungen: ABC-Schüler, Kate- chismus-, Evangelien-, Psalmen-, Testament- und Bibelschüler. ²⁸) Die Schulordnung von 1765 verlangt räumliche Trennung von Knaben und Mädchen.


