Aufsatz 
Geschichte des deutschen Schulwesens in Frankfurt a. Main bis zur Gründung der Musterschule; die ersten Jahre dieser Anstalt selbst und ihre ersten beiden Oberlehrer. Anhang: 1.) Älteste Schulordnung für die deutschen Schulen zu Frankfurt/M. von 1591. 2.) Die erste öffentliche Prüfung in der Musterschule 12. und 13. Juli 1804. 3.) Das erste Schülerverzeichnis der Musterschule von 1804
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

wenn sie auch später wieder als Badstube in Gebrauch genommen worden ist. ²) Ubrigens scheint der Rat ab und zu vorübergehend ein Zimmer zu Schulzwecken hergegeben zu haben, wenigstens bittet im November 1581 der Schulmeister Alleinz, als er das bisher benutzte Haus in der Schnurgasse verlassen muß, um Verleihung einer Schulstube im Kasten, wenn auch nur auf einige Zeit. Im Jahre 1545 begegnet uns dann in den Ratsprotokollen ein weiterer Schulmeister, Matthis Reitter, ¹⁰) der auch als Vorsänger bezeichnet wird. Er führt mit Erlaubnis des Rats, der ihm sogar die Dielen zum Gerüst vom Brückhof liefern läßt und einen halben Schilling Gulden als Geschenk verehrt, auf dem Römerberge die Historie von der Susanne auf.

In den Sechzigern des 16. Jahrhunderts klagt dann ein Schulmeister von St. Peter ¹¹) über das unordentliche und lästige Singen der armen Schüler um Almosen auf den Straßen und vor den Häusern.

Alle diese Schulmeister sind zwar nicht vom Rat berufen, aber sie bedürfen seiner Erlaubnis zur Errichtung einer Schule und stehen ebenso wie die durch die reformatorische Bewegung herbeigerufenen Predikanten unter des Rats Aufsicht. Die zur Beaufsichtigung der letzteren bestimmten Deputierten des Rats, die Freunde zu den Predikanten, werden bald Freunde zu den Predikanten und Schulen. Wesentliche Beihilfe gewährte der Rat nicht; er half etwa, wenn er angerufen wurde, zu dem Schulgelde(Liedlohn), oder räumte allenfalls einmal auf Zeiten eine öffentliche Stube zur Schulstube ein.

Neben diesen deutschen Schulmeistern findet sich 1554 nach Lersners Chronik (I, 2, 26) ein französischer Schulmeister. Im Jahre 1554 nämlich waren nach dem Tode Eduards VI. bei der Thronbesteigung Maria der Katholischen unter Führung von Valerandus Polanus ¹²)(Valérian Poullain) eine Anzahl nach England geflüchteter reformierter Niederländer wieder von dort, wo sie früher Aufnahme und Duldung gefunden, nach Frankfurt geflüchtet, um ihrer Religion ungestört leben zu können, zunächst 24 Familien, meist Bursatmacher, ¹³) fleißige, betriebsame Leute, nicht ohne Vermögen, denen bald mehr folgen sollten, auch Engländer unter ihnen. Sie hatten auch einen Schulmeister, George Maupan, neben dem bald mehrere andere auftreten; war doch die Bildung in den Niederlanden weit vorgeschritten und das Schulwesen früh ausgebildet. Bei der 1569 schon auf 1300 Köpfe gewachsenen Zahl dürfen wir wohl das Vorhandensein mehrerer Schulmeister annehmen, später begegnen uns auch einige Namen solcher französischer und reformierter Schulmeister und zwar mehrere zu derselben Zeit. Wie weit sie überhaupt vom Rat anerkannt waren, ist zweifelhaft; später wurden sie jedenfalls in das ungünstige Schicksal der Reformierten überhaupt mit hineingezogen.

Mit ihnen sind die vom Rat bestätigten französischen Schulmeister der lutherisch- rechtgläubigen Antorffer(Antwerpener) Gemeinde nicht zu verwechseln. Es hatten sich nämlich seit der Verfolgung der Evangelischen zu Antwerpen(Antorff) durch den Herzog Alba, und namentlich seit der Einnahme der Stadt durch Alexander Farnese von Parma(1585) viele, 2z. gr. T. welsche, d. h. französisch sprechende Lutheraner ¹⁴) nach Frankfurt geflüchtet und

*) 1570 kommt ein Bader zur rothen Badstube vor, und 1597 ist sie nach Lersner II, 2, 36 noch im Gebrauch. Aufgehoben wurde sie erst 1809.

¹⁰) Gedruckt bald Ritter, bald Reuter.

¹¹) S. Anm. 2.

¹²) Ein geborner Edelmann aus Ryssel in Flandern und Prediger jener Flüchtigen.

¹3) Bursat, ein damals namentlich in den Niederlanden gebräuchliches Halbzeug, s. Kirchner.

¹⁴) Vgl. Kirchner, Band 2, Buch 9, Kap. 17 und 18, und Johannes Lehnemann, Historische Nachricht von der vormals im 16. Jahrhundert berühmten evangelisch-lutherischen Kirche in Antorff und der daraus entstandenen niederländischen Gemeinde Augspurger Konfession in Frankfurt a. M. Frkft. a. M. 1725.