Aufsatz 
Nachträge zu der Biographie des Jacob Micyllus
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

worden, knüpfte sich leicht die andre, dass sie ursprünglich nur als Privatschule, nicht als eine städtische Stiftung zu betrachten sei.*) Dieser Ansicht tritt nun auf's be- stimmteste der Ausdruck der ersten amtlichen Verschreibung Nesen's entgegen, dass er in Dienst genommen sei:ire(der Herren des Raths) und gemeyner burger- schaft kyndere in seiner Kunst zu unterrichten. Die Worte sind auch in den beiden Verschreibungen des Mieyllus dieselben geblieben, und es ist daher meine Auf- fassung(Micyll. S. 62).dass die Schule erst seit der neuen Bestallung Micyll's (1526) den bisher ihr noch anhaftenden Charakter einer Privataustalt für die vornehmen: Familien aufgegeben habe, und von nun an vollständig als Stadtschule betrachtet worden sei, der gelehrten Vorbildung aller Bürgersöhne bestimmt, nicht dem wahren Sachver- hältniss entsprechend. Es gebührt den ehrenwerthen Stiftern der Schule die Anerken- nung, dass diese allgemeine Bestimmung als schola publica von Anfang in ihrer Absicht gelegen hat. Wodurch ist denn, fragen wir mit Recht, jene Ansicht von einer ursprüng- lich exclusiven Beschränkung in die Geschichte unsrer Schule hineingekommen? So viel ich sehe, erscheint sie gedruckt zuerst in Joh. Baltb. Ritter's(eines Nachkommen des Matthias R.) Evangel. Denkmal S. 33, wo es nach der Erwähnung von Nesen's Berufung heisst:Darauf bekam Nesenus ihre Söhne zu Schülern, unter welchen namentlich Jkr.(d. h. Junker) Philipp Fürstenberger, Jacob Neuhauss, Arnold von Holtzhausen, Christoph Stalburger eto. sich befunden, um wesswillen Neseni Schul, Schola Patriciorum, die Geschlechter-Schule genannt wurde. Vergleichen wir diese Worte mit jener handschriftlichen Aufzeichnung des ältern Ritter in den Acten des Predigerministeriums, aus denen J. B. R. einen grossen Theil seiner Nachrichten im Evang. Denkmal schöpfte, so ist wohl nicht zu bezweifeln, dass sie nur eine zum Theil missverständliche Umschreibung ist. Aehnlich wie Herr Pf. Steitz eine solche in der spätern Aufzeichnung Faust's von Aschaffenburg(Mel.- u. Luth.-H. S. 17 ff.) schlagend nachgewiesen hat, aus welcher alle später verbreiteten Irrthümer über das Haus von Luther's Herberge hervorgegangen sind, haben wir in der Darstellung J. B. Ritter's von der Nesen'schen Schule die Quelle, aus welcher die gäng und gäbe gewordene Tradition von der Junker- und Patrizierschule geflossen ist. Es ist nämlich nach einer Bemerkung, die mein verehrter College, Herr Professor Kriegk mir mündlich mittheilte, wohl höchst wahrscheinlich, dass unter der schola Patriciorum, von der M. Ritter be- richtet, ursprünglich nicht die neue Knabenschule, sondern jene Veranstaltung für öffent-

liche Vorträge für Erwachsene gemeint war, über die uns die Nesen'sche Verschreibung die

*) Helfenstein: Entw. des Schulw. S. 60:Nesen's Schule war eben Privatschule, die von den Adelssoöhnen besucht wurde. 3

2