Aufsatz 
Nachträge zu der Biographie des Jacob Micyllus
Entstehung
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Lehrer der Kinder der Rathsherren wie der gemeinen Bürgerschaft, und zwar in ihrer Kunst das Lateinische zu lehren d. h. also vorzugsweise für humanistische Studien berufen, sondern zugleich um dem Rathe durch Wort und Schrift in Geschäften anderer Art(in andern iren Sachen) zu Dienste zu seyn. Vor Allem aber ist es merk- würdig, dass sie ausdrücklich verpflichtet wurden,täglich eine Stunde öffentlich zu lesen, wenn sie ehrbare Zuhörer fänden, in ihrer Wohnung oder in einem Kloster. Grade die Stellung, welche ihnen durch diese Bestimmungen angewiesen wurde, weist auf die Bedürfnisse hin, aus welchen ihre Berufung hervorging. Männer, wie Philipp Fürstenberg, Hamman Holtzhausen, Nicolaus Stallburg, Arnold Glauburg, Hans Bromm hatten an sich selbst die bildende Kraft der wiedererwachten classischen Studien, denen sie mit Liebe und zum Theil mit glänzendem Erfolg ergeben waren, hinlänglich erfah- ren, um aufs eifrigste den Wunsch zu verfolgen, sie auch in weitern Kreisen zur Grundlage des Jugendunterrichtes gemacht zu sehen. Sie standen aber auch den allge- meinen Bewegungen der Zeit und den Weltgeschäften nahe genug, um den Werth einer gründlichen Einsicht in die mit unabweislichem Drange hervortretenden Fragen auf dem Gebiete der Kirche und der Wissenschaft wohl zu erkennen. Jenes erstere Bestreben hat in der Gründung der Gelehrtenschule seine dauernden und von der späten Nach- welt dankbar erkannten Früchte getragen. Aus dem zweiten gingen die weiteren Anordnungen hervor, durch welche sie die Wirksamkeit der von ihnen berufenen Gelehrten zu erweitern gedachten. Sie gelangen meines Wissens zuerst aus den so eben mitgetheilten Zeugnissen zu unsrer Kunde, und kaum werden wir im Stande sein von der Ausführung der beabsichtigten Einwirkung irgend erhebliche Spuren nachzu- weisen. Aber möge dieselbe durch die Ungunst der Zeiten oder durch die Unzuläng- lichkeit der Mittel vielleicht auf ein geringes Maass beschränkt geblieben sein, immer verdient der höhere Sinn und der freiere Blick jener Männer, die ein tiefes Bedürfniss der Zeit erkannt hatten und durch Kräfte des Geistes zu befriedigen suchten, die ehrende Anerkennung der Nachkommen. Davon, dass Nesen oder Micyllus in des Rathes Ge- schäften, etwa zu Abfassung von Gutachten oder Berichten für Reichstagsverhandlungen oder über die kirchlichen Streitfragen, zu Rathe gezogen oder sonst verwandt wären, wie es die Absicht gewesen zu sein scheint, wird schwerlich ein thatsächliches Zeug- niss aufzubringen sein. Doch därfen wir mit Recht die Abfassung des lateinischen Gedichtes, in welchem Micyllus im Namen der Stadt Frankfurt Kaiser Carl den Fünften bei seiner Durchreise im Frühjahr 1530 begrüsste(Micyll. S. 80 u. 95. A. 23. Sylvv. II. p. 101 sqq.), und welches den Schulakten unsres städtischen Archivs in besonderm Abdruck beiliegt, als einen Akt seiner amtlichen Thätigkeit im Dienste des Rathes

ansehn. Von noch grösserem Interesse würde es für uns sein, wenn wir über die