Aufsatz 
Tacitus und Plutarch
Entstehung
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seiner Quelle entlehnt hat, aber als wahrscheinlich oder gar sicher kann ich diese Meinung doch nicht gelten lassen. Selbst zugegeben, Messalla habe nur seine eigenen Erlebnisse geschildert, jene Schlacht, ja jener Feldzug bildete doch einen Hauptbestandteil dieser Erlebnisse und bei der Stellung, die Messalla in dem flavianischen Heere einnahm, muſste er als der gewichtigste Zeuge für diesen ganzen Abschnitt betrachtet werden. Auch den Einwand Clasons(a. O. S. 89) vermag ich nicht für berechtigt zu halten:Daſs ein Augenzeuge und Teilnehmer am Kampfe für einzelne Begebenheiten in demselben ein durchaus glaubwürdiger Gewährsmann sein kann, steht fest; nicht jedoch, daſs er für die höheren strategischen Bewegungen im Kriege und in der Schlacht ein mustergiltiges Zeugnis abgeben müsse, denn die beschränkte Einzelstellung des Kombattanten hindert den Uberblick über die Gesamtheit., Ich sollte doch meinen, schon als Tribun muſste Messalla einen Einblick in den ganzen Gang der Unternehmungen haben, und daſs er auch spâter mit ruhigem Blute die Ereignisse geprüft hat, um ein richtiges Bild von ihnen entwerfen zu können, daran zu zweifeln haben wir auch nicht den geringsten Anlaſs. Ist es daher vollkommen glaublich, daſs Tacitus bei seiner Schilderung jener Kämpfe in Oberitalien auf den Bericht Messallas ein besonderes Gewicht gelegt hat, so fehlt es auch keineswegs an einer ausreichenden Erklärung dafür, daſs er grade für die in Rede stehende Einzelheit aus der nächtlichen Schlacht Messalla als Gewährsmann namhaft macht. Jener Vorfall war wunderbar genug, um Zweifel an seiner Thatsächlichkeit zu wecken; erscheint es da nicht natürlich, daſs sich Tacitus für die Glaubwürdigkeit der Mitteilung auf einen bestimmten Zeugen beruft? Der Schlufs aber, dafs dieser Zeuge nicht zugleich die Hauptquelle für den ganzen Abschnitt sein könne, mufs als übereilt bezeichnet werden, zumal die einzelne Begebenheit in unmittelbarem Zusammenhang mit dem gesamten Verlaufe des Kampfes berichtet wird. Zu einem ähnlichen Ergebnis führt die Betrachtung der zweiten Stelle, an der Messalla im Gegensatz zu Plinius als Gewährsmann genannt wird(III. 28). Nach dem ersten vergeblichen Sturme auf den Wall von Cremona zauderten die Soldaten, so erzählt Tacitus, ihre Bemühungen zu erneuern, kein Zuspruch half, da wiesen die Anführer die Ermattenden auf die vor ihnen liegende Stadt hin und die reiche Beute, die ihrer dort warte. Ob das ein Einfall des Hormus war oder des Antonius, wage er nicht zu entscheiden: Hormine id ingenium, ut Messalla tradit, an potior auclor sit C. Plinius, qui Antonium incusat, haud facile discreverim, nisi quod neque Antonius neque Hormus a famd vitaque sua quamvis pessimo flagitio degeneravere. Ich will nicht betonen, daſs Messalla hier zuerst genannt wird, obwohl schon dieser Umstand einen Fingerzeig geben könnte, welcher von beiden Schriftstellern- Tacitus Hauptquelle bildete. Nehmen wir aber einmal an, daſs Messalla es war, an den sich Tacitus in diesem Teile seiner Historien vorzugsweise anschloſs, so liegt doch der Grund auf der Hand, der ihn veranlaſste, grade hier der Angabe seines Gewährsmannes mit einigem Miſstrauen zu begegnen; gegenüber der des Plinius konnte sie leicht auf einer Voreingenommenheit für den tapferen und kriegstüchtigen Antonius beruhen, unter dessen Fahnen Messalla damals gestanden hatte.

Es dürfte von Wert sein, das Verhalten des Antonius, wie es von Tacitus geschildert wird, etwas genauer zu verfolgen und den Spuren nachzugehen, aus denen man etwa auf

¹ Vgl. Beckurts, zur Quellenkritik des Tacitus, Sueton und Cassius Dio, S. 50 f. 3*