Aufsatz 
Tacitus und Plutarch
Entstehung
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eine verschiedenartige Beurteilung des Mannes zu schlieſsen berechtigt ist. Eine kurze Charakteristik gibt Tacitus II. 86; hier sind Lob und Tadel in eigentümlicher Weise mit einander vermischt. Nachdem die Verurteilung des Antonius unter Nero erwähnt ist, deren Tacitus auch in den Annalen(XIV. 40) gedenkt, heiſst es: praepositus a Galba septimae legioni seriptitasse Othoni eredebatur ducem se partibus offerens; a quo neglectus in nullo Othoniani belli usu fuit. labanlibus Vitellii rebus Vespasianum seculus grande momentum addidit, strenuus manu, sermone promptus, serendae in alios invidiae artifex, discordiis et sedilionibus potens, raptor, largitor, pace pessimus, bello non spernendus. Unanfechtbare Thatsachen zur Begründung des harten Urteils werden in den uns erhaltenen Büchern der Historien kaum beigebracht, sodaſs man geneigt ist, jenes Urteil auf Rechnung der zwischen Antonius und Mucian von vornherein zu Tage tretenden Nebenbuhlerschaft zu setzen und demnach auf einen dem Kreise des letzteren nahestehenden Schriftsteller zurückzuführen. Mit voller Anerkennung spricht Tacitus darauf von dem Eifer, mit dem Antonius für die Sache Vespasians eintrat und auf eine schleunige Eröffnung des Feldzugs drängte, indem er zugleich die Abmahnungen Mucians aus dessen eigenem Ehrgeiz herleitet(III. 8). Auch die erfolgreichen Bemühungen des Antonius, die Legaten Pannoniens und Moesiens, Tampius Flavianus und Aponius Saturninus, den Angriffen der meuternden Truppen zu entziehen, werden lobend hervor- gehoben(III. 10 u. 11); doch geschieht daneben einer weniger günstigen Auslegung von Antonius Verhalten Erwähnung: nec deerant, qui crederent utramque seditionem fraude Antonii coeptam, ut solus bello frueretur. Nach kurzer Zusammenfassung der Umstände, die Antonius mit Recht zu einem baldigen Losschlagen bestimmteni, werden die Kämpfe bei Cremona geschildert; gegen den Willen des Antonius erfolgt der erste unvorsichtige Zusammenstoſs mit dem Feinde, nachdem aber einmal die Würfel gefallen sind, übernimmt dieser mit der höchsten Umsicht und Tapferkeit die Oberleitung und führt das Heer zum Siege. Als dann die Soldaten sofort auf Cremona losziehen wollen, damit ihnen die dort zu erhoffende Beute nicht entgehe?, ist es Antonius, der sie durch den Hinweis auf die Tollkühnheit des Unternehmens davon abzubringen sucht. Mit schweren Opfern werden in dem nächtlichen Kampfe die Vitellianer zurückgeworfen und der Angriff auf Cremona begonnen. Auch jetzt noch ist Antonius Streben darauf gerichtet, die Bewohner der Stadt vor dem drohenden Schicksal zu bewahren; so sind doch wohl die Worte des Tacitus(III. 30) aufzufassen: rapi ignes Antonius inferrique amoenissimis extra urbem aedificiis iubet, si damno rerum suarum Cremonenses ad mutandam fidem traherentur. Die Vitellianer strecken die Waften und verlassen in traurigem Zuge die Stadt. Nun geben sich die Führer des flavianischen Heeres die gröſste Mühe, ihre Leute vom Rauben und Morden zurückzuhalten, insbesondere Antoniuss, aber vergeblich, die Beutegier der Soldaten, ihre Erbitterung über das Verhalten der Bürgerschaft während der vorangegangenen Zeit lassen sich nicht zügeln, die Stadt fällt der Plünderung und Zerstörung anheim. Eine harmlose Kuſserung des Antonius wurde so ausgelegt, als habe er die Brandschatzung gewollt oder wenigstens

1 Vgl. besonders III. 15 ex Britannia Galliague et Hiispania auxilia Vitellius acciverat, immensam belli molem, ni Antonius id ipsum metuens festinato proelio victoriam praecepisset.

² III. 19 evbugnatae urbis praedam ad militem, deditae ad duces pertinere.

³ III. 32 nec Hrocul caede aberant, cum precibus ducum mitigatus est miles. et vocatos ad contionem Antonius adloguitur, mag nifice victores, victos clementer, de Cremona in neutrum.