Aufsatz 
Tacitus und Plutarch
Entstehung
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Berichteten nicht die Rede sein, denn diesem war die Verwaltung der Provinz nicht genommen, sondern nur auferlegt worden, dieselbe von der Hauptstadt aus zu besorgen, andererseits sollte man erwarten, daſs der Tod eines Mannes von so hervorragender Bedeutung wie Cluvius von Tacitus ausdrücklich berichtet würde. Für die Ansicht Nipperdeys lieſse sich noch der Umstand geltend machen, daſs gleich nach der eben besprochenen Stelle Tacitus in dem Berichte über die gegen Aquilius Regulus und Eprius Marcellus erhobenen Anklagen(hist. II. 43) Helvidius Priscus seine Rede mit dem Lobe des Cluvius beginnen läſst, qui perinde dives et eloquentia clarus nulli unquam sub Nerone periculum facessisset; diese Anerkennung dürfte passender erscheinen, wenn sie einem Toten, als wenn sie einem Lebenden und Anwesenden gezollt wäre. Doch ist in der Frage nach dem Todesjahr des Cluvius mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln eine auch nur annähernd sichere Entscheidung kaum möglich; wir müssen uns vielmehr mit dem vorher gewonnenen Ergebnis bescheiden, daſs Tacitus für die Geschichte des Jahres 69 das cluvianische Geschichtswerk nicht zu Rate gezogen zu haben scheint und daſs dieses vielleicht schon mit dem vorausgehenden Jahre seinen Abschlufs gefunden hat. Es sei mir gestattet, in Anknüpfung hieran einen Gedanken auszusprechen, für den ich durchaus nicht einen höheren Grad von Wahrscheinlichkeit in Anspruch nehme, der aber wenigstens ungesucht und ungezwungen sich gibt. Es liegt auf der Hand, daſs Tacitus Histo- rien, die mit dem 1. Januar 69 anheben, aller Orten eine fremde Darstellung der früheren Ereignisse voraussetzen; es ist auch schon die Frage erörtert worden(Nissen a. O. S. 498), wie man sich das Verhältnis der beiden Geschichtschreiber zu einander vorzustellen habe, ob Tacitus wie Plinius mit seinen Büchern à fine Aufidii Bassi genau an dem Punkte eingesetzt habe, wo sein Vorgänger aufgehört hattel, oder wie Aufidius Bassus weiter zurückgreifend einen Teil der vorliegenden Arbeit wiederholt habe. Wenn nun Nissen in den Historien des Plinius dasjenige Geschichtswerk erblickt, als dessen Fortsetzer Tacitus aufgetreten sei, so hat zweifellos der Einwand seine Berechtigung, daſs in diesem Falle die Wahl des Ausgangspunktes als eine willkürliche erscheinen müſste; besser hätte Tacitus dann entweder mit dem Sturze Neros und der Erhebung Galbas oder mit dem Auftreten des flavischen Hauses eingesetzt. Ist dagegen die Vermutung zutreffend, daſs das cluvianische Geschichtswerk die Begebenheiten des Jahres 69 nicht mehr umfaſste und dafs Cluvius es war, dessen Darstellung Tacitus weiterführte, so würde jeder Anstoſs, den man an dem gewählten Ausgangspunkte nehmen könnte, mit einem Schlage schwinden. Dafs das cluvianische Geschichtswerk ein hohes Ansehen genoſs, darf schon aus der wiederholten Bezugnahme in den Annalen gefolgert werden und Mommsen(a. O. S. 321) urteilt gewiſs richtig, das wunderbar lebendige Bild von den Zeiten des Caligula, Claudius und Nero, das, wenn auch verstümmelt, doch einigermaſsen sich erhalten hat, sei in der Hauptsache Cluvius zu verdanken.

Wir haben gesehen, daſs Cluvius nicht der Gewährsmann sein kann, dem Plutarch und Tacitus ihre Darstellung der Regierung Galbas und Othos entnommen haben, ja daſs

¹ Das ist die Meinung Mommsens, a. O. S. 301:Man sieht, dass Tacitus sein Buch als eine Fortsetzung bis zum Jahr és reichender Annalen schrieb und die vollständige Bekanntschaft mit solchen bei seinen Lesern

voraussetzte. 2