es fraglich bleiben muſs, ob das cluvianische Geschichtswerk noch die Ereignisse des Jahres 69 schilderte; im Vorbeigehen ist auch des Schriftstellers Erwähnung gethan, der im Gegensatze zu Mommsen von Nissen u. a. für die gesuchte Quelle erklärt worden ist, des älteren Plinius. Dafs seine Bücher a fine Aufidii Bassi, wie der jüngere Plinius in der Aufzählung der Schriften seines Oheims(ep. III. 5. 1) das Werk nennt, nicht bloſs die in Rede stehenden Ereignisse behandelten, sondern auch noch Vespasians Regierungszeit, darüber kann nach den bekannten Worten in der Vorrede zur Naturgeschichte(20) kein Zweifel bestehen.“ Abgesehen von zwei Stellen der Naturgeschichte, wo es sich um die letzten Zeiten Neros handelte, wird Plinius Geschichte nur von Tacitus dreimal angeführt und zwar ann. XIII. 20(Plinius et Cluvius— referunt), ann. XV. 53(quod C. Plinius memorat) und endlich hist. III. 28(Hormine id ingenium, ut Messalla tradit, an potior auctor sit C. Plinius, qui Antonium incusat, haud facile discreverim). Bedürfte es überhaupt eines Beweises, daſs Tacitus wie die libri bellorum Germaniae so auch das Werk a fine Aufidii Bassi nicht unberück- sichtigt gelassen hat, so würde er durch diese namentlichen Anführungen erbracht; eine ganz an- dere Frage aber ist es, ob grade die Geschichte des Plinius die Hauptquelle für Plutarchs und Tacitus Darstellung des Jahres 69 bildete. Ehe ich dieser Frage näher trete, scheint es mir an- gezeigt, die eigentümliche Ansicht, die Nissen über die Herausgabe des plinianischen Geschichts- werkes aufgestellt hat(a. O. S. 544 ff.), einer Prüfung zu unterziehen. Die Sorge dafür hatte Plinius nach seinen eigenen Worten seinem Neffen und Adoptivsohne testamentarisch übertragen; wann hat sich dieser, so fragt Nissen, dieses Auftrages entledigt?„Da er zur Zeit des Todes seines Oheims erst im achtzehnten Lebensjahre stand, lautet die Antwort, so konnte er füglich nicht alsbald daran denken; in der That dürfen wir mit Sicherheit schlieſsen, daſs die Herausgabe eine Reihe von Jahren später, in jedem Falle erst unter der Regierung Domitians erfolgt ist“. Nach meinem Dafürhalten war eine sofortige Herausgabe des hinterlassenen Werkes bei der Jugend des Erben nur unter der Voraus- setzung ausgeschlossen, daſs es sich nicht um die bloſse Veröffentlichung, sondern um eine voraufgehende Durchsicht und Uberarbeitung handelte. Und woraus glaubt Nissen folgern zu dürfen, dafs eine solche Uberarbeitung in der That stattgefunden hat? Am Schlusse der Rede, mit der Otho von seinem jungen Neffen Salvius Cocceianus Abschied nimmt, läfst ihn Tacitus(hist. II. 48) die bekannten Worte sagen: proinde erecto animo capesseret vitam neu patruum sibi Othonem fuisse aut oblivisceretur unduam aut nimium meminisset. Damit übereinstimmend lesen wir bei Plutarch(Oth. 16): E«&[νο d6, KLrey, a, nageyy vòᷣuui d εᷣeuνos ure 2νααπ⁶ν G οι0mππꝛ ⁊aο uõJἑϰß1 äya unovebetr, ör Kaioada deov zores. Nun berichtet Sueton im Leben Domitians(10), dieser habe aufser anderen Senatoren auch den Salvius Cocceianus getötet, quod Othonis imperatoris patrui sui diem natalem celebrasset; die warnende Voraussage, die in den letzten Worten Othos enthalten ist, hat
1 Pos quidem omnes, Patrem(Vespasian), te(Titus) fratremgue, diximus opere iusto temporum nostrorum nistoriam orsi a fine Aufidii Bassi. ubi sit ea, guderes. iam pridem Ber acta sancitum et æliogui statutum erat peredi mandare, ne quid ambitioni dedisse vita rudicaretur. proinde occupantibus locum faveo, ego vero et posteris, guos scio nobrscum decertaturos, sicut ipsi fecimus cum Brioribus.
2 II. 199 anno Neronis princitbis supremo, sicut in rebus eins exposuimus und II. 232 Neronis Princibis
supremis, sicut in rebus eius ex posuimus.


