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wenn sich wenigstens eine Spur davon erhalten haben sollte, daſs auch Tacitus jene Beobachtung des Mestrius Florus bei seinem Gewährsmanne vorgefunden hat? Es ist nicht unbemerkt geblieben, daſs Tacitus eine Reihe von Zügen, die er seiner und Plutarchs gemeinsamer Quelle entlehnte, in einem anderen als dem ursprünglichen Zusammenhange verwendet hat, wie denn namentlich in den Reden, die er den handelnden Personen in den Mund legt, der eine und andere Gedanke auftritt, der bei Plutarch in der fortlaufenden Erzählung begegnet. Nun lesen wir in unmittelbarem Anschluſs an die Flucht der Othonianer (hist. II. 44) folgendes: et media acie perrupta fugere passim Othoniani Bedriacum petentes. immensum id spatium, obstructae strage corporum vide, quo Pluus caedis fuit; nedue enim eiwilibus bellis capti in praedam pertuntur. Damit vergleiche man die Worte Plutarchs(Oth. 14) dijoweuw udy„do naçd odς εᷣνμανανoνςα ασποενοms, 5raν rOοxσνν„εννιεαιν, eioνα eiuες εοπιτιν ομυ⁷⁸εένα ccyοeενι zνα vdò oiz ort ols ddιοαοαεένοις die Ubereinstimmung im Gedanken, ja im Ausdruck ist doch eine so groſse, daſs es nahe liegt, an die Benutzung derselben Quelle zu denken.“ Hat aber Plutarch sich in der That nicht gescheut, die Worte àu* Ʒε τεοον „rä. seiner Vorlage einfach nachzuschreiben, so hindert nichts, das gleiche Verfahren für die Stelle anzunehmen, wo er von Othos Grabmal spricht, das er selbst in Brixellum gesehen habe. Es könnte nun der Einwand erhoben werden, daſs es für die Frage nach der gemeinsamen Quelle beider Schriftsteller im Grunde genommen gleichgiltig sei, ob Plutarch in den behandelten Fällen seinem Gewährsmanne blindlings gefolgt ist oder zu dem von jenem Übernommenen eigne Wahrnehmungen hinzugefügt hat; gerade in der Person des Mestrius Florus ist uns kein irgendwie bedeutsamer Anhalt für die Ermittelung des unbekannten Quellenschriftstellers an die Hand gegeben. Eines jedoch, das sicherlich nicht ohne Wert ist, würde sich ergeben, hätten wir oben eine zutreffende Mutmaſsung über Plutarchs Verhältnis zu seinem Gewährsmanne zum Ausdruck gebracht, nämlich eine so unbedingte Abhängigkeit der Griechen von seiner römischen Vorlage, daſs seine Geschichte der beiden Kaiser lediglich als eine bald mehr bald minder gekürzte Ubertragung angesehen werden müſste.
Secundus und Mestrius Florus sind nicht die einzigen Gewährsmänner, die Plutarch nennt; ein dritter reiht sich ihnen an und hat in allen Untersuchungen über Plutarch und Tacitus am meisten Beachtung gefunden, Cluvius Rufus, zumal nachdem Peter(a. O. S. 40 ff.) und nach ihm Mommsen(a. O. S. 318 ff.) seine historiae für die von jenen beiden benutzte Quelle erklärt haben. Indessen hat Nissen(a. O. S. 507 ff.) überzeugend dargethan, daſs die Stelle Plutarchs, auf welcher Peter und Mommsen hauptsächlich fuſsen, von ihnen nicht richtig aufgefaſst ist. Wäaͤhrend Galba sich wesentlich auf den Senat gestützt hatte, machte sich nach seinem Sturze, um mit Nissen zu reden, eine starke, von Plebs und Armee getragene, caesarische Strömung geltend, deren Eifer Otho, um den Senat nicht zu verletzen, fortwährend zu dämpfen bemüht sein mufste. Plutarch(Oth. 3) berichtet von einer Reihe von Kundgebungen in dieser Richtung. Otho mufste es zulassen, daſs er im Theater mit dem Namen Nero begrüſst wurde, mochte es auch nicht wehren, daſs Neros Standbilder
1 Diese Übereinstimmung ist, wie ich nachträglich sehe, schon von Gerstenecker, der Krieg des Otho und Vitellius in Italien im Jahre 69, S. 50 erkannt, aber auf die Benutzung des taciteischen Berichtes durch Plutarch zurückgeführt worden.


