5 Gewährsmann auf mündlichen Mitteilungen fuſst, die ihm von berufener und unberufener Seite, aber allem Anscheine nach ziemlich bald nach den Ereignissen gemacht wurden.
Wäahrend über die bisher behandelten Stellen der plutarchischen Biographien bei den Forschern wenigstens, welche die zwischen Plutarch und Tacitus hervortretende Uber- einstimmung auf die Abhängigkeit beider von der gleichen Quelle zurückführen, kaum eine Meinungsverschiedenheit möglich ist, liegt die Sache bei derjenigen Stelle des Biographen, die nunmehr zu betrachten ist, keineswegs so einfach. Seinen Bericht über die Schlacht und die danach angeknüpften Verhandlungen, die zur Unterwerfung der othonianischen Truppen führten, schlieſst Plutarch(Oth. 14) in folgender Weise ab:„So schildern die meisten, die dabei gewesen sind, den Verlauf der Schlacht; doch hätten sie bei der herrschenden Unordnung und der Unebenheit des Geländes nicht alle Einzelheiten des Kampfes genauer beobachten können. Mir zeigte später bei einem Gange über das Schlachtfeld der Consular Mestrius Florus, der wie andere nicht aus UÜberzeugung, sondern gezwungen auf Othos Seite gestanden hatte, einen alten Tempel und erzählte mir dabei, wie er nach dem Kampfe einen Haufen von Leichen gesehen habe, der bis zum Giebel reichte. Das habe er sich nicht zu erklären vermocht und auch von anderen keinen Aufschlufs erhalten. Allerdings sei es begreiflich, dass im Bürgerkriege von der geschlagenen Partei mehr Leute fielen, weil man keine Gefangenen mache, mit denen nichts anzufangen sei; aber für eine solche Masse von Toten gäbe es doch keine ausreichende Erklärung““. Von dem hier erwähnten Mestrius Florus wissen wir, dass er an Vespasians Hofe verkehrte (Suet. Vesp. 22), auch tritt er uns wiederholt in Plutarchs Tischgesprächen(Symp. quaest. 7. 4, 8. 10) entgegen; somit scheint es auf den ersten Blick aufser Frage zu stehen, daſs wir es an der angeführten Stelle mit einer an Plutarch selbst gerichteten Mitteilung zu thun haben, dafür spricht von vornherein auch die Art und Weise, in der diese Mitteilung von dem Schriftsteller eingeleitet wird: à.μχ ο? dτεοον§εdεοντι ο⁶ oν Qιομον Méorοισσ d‿⁵‿οοσ— ôuyerro. Sollte wirklich die Annahme, daſs Plutarch das Schlachtfeld von Bedriacum selbst besucht hat, Bedenken erregen, so dürften dieselben schwinden, wenn man jene Angabe über Othos Grabmal berücksichtigt(Oth. 18):.l0o ε&ν B1ε̈ peyμεᷣ νοςα αᷣo υua er³ον νια⁴. Indessen mõöchte ich für die Beurteilung des von Mestrius Florus Erzählten doch auf folgendes hinweisen. Was zunächst die einleitenden Worte Suol ε Soreoov rl. betrifft, so stehen dieselben meines Erachtens in einem gewissen Gegensatze zu dem Eingang des vorausgehenden Satzes opro uεy oi eioroto l.; dort wird auf die Berichte von Soldaten und Befehlshabern, die dem Kampfe beigewohnt hatten, Bezug genommen, hier eine so zu sagen eigne Beobachtung mitgeteilt. Wird nun von jenen Berichten mit Recht vermutet, daſs sie nicht Plutarch, sondern bereits seinem Gewährsmanne zugekommen waren, so könnte man geneigt sein, von der in so engem Zusammenhang damit wiedergegebenen Beobachtung das Gleiche anzunehmen. Weiter hat die Bezeichnung des Mestrius Florus als dνς ννατις νν rre uμ/ Qœꝓd„vν‿μꝙ ‿ àvdyον uerd rod*Ooc vevouéycy im Munde Plutarchs etwas Auffallendes; man sieht nicht recht ein, weshalb er, der so lange Zeit nach den Kämpfen des Jahres 69 schrieb, es nôthig fand, diesen Umstand ausdrücklich hervorzuheben. Allein ich stehe nicht an zuzugeben, daſs in derartigen Dingen die Ansichten von einander abweichen können und daſs auf einer solchen Grundlage ein sicheres Urteil schwerlich zu gewinnen ist. Wie aber,


