Aufsatz 
Von der Bildung zur Selbständigkeit
Entstehung
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Führe den jungen Menſchen frühzeitig zum Selbſt⸗ fühlen, zu der Theilnahme am Unglück, dem Mitge⸗ fühl des Schmerzes, der Noth, und dulde keinen leeren, eingelernten Ausdruck in ſeinem Munde, der ein Gefühl bezeichnet, das nicht in ihm lebt; ſey die Phraſe auch noch ſo ſchön, ſie ſtreitet gegen die Wahrhaftigkeit.

Führe ihn vom Nachdenken zum Selbſtdenken: fordere ihn fleiſig auf, bei leicht zu beurtheilenden Veran⸗ laſſungen ſeine Meinung, ſein Urtheil, ſeinen Rath zu geben, und benütze dieſen ſo viel möglich. So gelangt er zum Selbſtſchaffen, zu Ausführung ſeiner Mei⸗ nung. Fördere dieſe, wo es nur immer thunlich iſt: das gibt ihm Selbſtvertrauen, weckt und mehrt ſeine Kraft, auch harte Nüſſe zu beißen, auf gewünſchte verheißene Ver⸗ gnügen zu verzichten, das eigene, wohl begründete Recht zu Gunſt ſeiner Mitmenſchen fahren zu laſſen, und ſo ſich ſelbſt zu überwinden. Je mehr Gemüthsanlage in dem Menſchen iſt, deſto leichter und ſchneller wird er vom Nachahmen zum Selbſtdenken und Selbſtſchaffen übergehen; auf hervorſtechende Geiſtes⸗ gaben iſt dabei weniger zu rechnen. Man bemerkt oft große Willenskraft und Willensfeſtigkeit bei beſchränktem Verſtande: nur iſt dieſe Kraft dann gewöhnlich nicht mit Bewuſſtſeyn derſelben gepaart, ohne welches doch keine eigent⸗ liche Selbſtändigkeit Statt findet.

Laß ihn, den Zögling, ſeinen eigenen Weg gehen, ſey es auch ein Umweg, ſelbſt ein falſcher, der nicht zum Ziele führt; wenn er nicht ſchadet, ſo laß ihn das Thörichte dabei fühlen durch das Mißlingen ſeiner Unternehmung: Erfahrung macht klug und feſt. Zeige ihm aber den kürzern und beſſern Weg, ſeinen Zweck zu erreichen, er wird dir dann williger folgen.