Aufsatz 
Von der Bildung zur Selbständigkeit
Entstehung
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den verſchiedenen Individualitäten die größte Manchfaltig⸗ keit herrſcht, daß in dem einen Kinde das Erwachen der⸗ ſelben ſehr langſam geht, während ſich in dem andern mehre Antriebe zugleich und raſch entwickeln, hervordrän⸗ gen und eingreifen in das Triebwerk des inneren Lebens. Darum iſt fleißiges Beobachten des Zöglings nöthig, um zu rechter Zeit dies oder jenes zweckmäßige Verfahren anzuwenden. Nicht der Erzieher leitet die Entwickelung des Kindes, ſondern imme

dieſe Jenen.

Ich wende mich nun zu einigen Mitteln, die dem Erzieher zur Hand ſind und als Reizmittel dienen, die, von auſen angewandt, jene innere Antriebe wecken und unterſtützen; ich will in folgenden Erinnerungſätzen auf ſie hin weiſen.

Leuchte, du Vater und Mutter, deinem Kinde mit gutem Beiſpiel voran. Zeige ihm in Allem, was du thuſt, den ſelbſtſtändigen Menſchen, der weiß, was er will und Nichts thut, ohne zuvor gedacht, es wohl erwogen und überlegt zu haben, der nicht unſchlüſſig hin und her wankt und bald dieſer, bald jener Meinung und Anſicht folgt, ſondern feſt und ruhig ſeinen Weg geht; der die möglichen Folgen ſeiner Handlung wohl berechnet, ſich dennoch nicht durch jedes unver⸗ muthete Ereigniß irre machen läſſt, aber auch nicht hart⸗ näckig auf ſeinem Kopf beſteht, wenn die Umſtände ein anderes Verfahren nothwendig machen; der dem wi⸗ drigen Geſchicke feſt, aber überlegt und ruhig entgegen tritt mit kindlicher Ergebung in Gottes Willen und mit wahrem, nicht blos in frömmelnden Redensarten beſtehenden, Gottvertrauen dem Unglück kräftig die Spitze biethet. Laß es ſtets in dir den ſtreng ſittlichen,