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müſſen wir aus den gemachten Beobachtungen folgende Schlüſſe ziehen. Je mehr der Menſch nach ſolchem Stehen auf ſich und Handeln aus ſich ringt, deſto mehr lernt er das ihm von Gott verliehene göͤttliche Ebenbild kennen, deſto mehr fühlt er mit edelm Stolz, ohne Hochmuth und Eitelkeit, den hohen Werth deſſelben und der Würde, die es ihm beilegt. Je tiefer er dieſe fühlt, deſto mehr iſt er darauf aus ſie zu wahren, ſie nicht zu ſchänden durch Lüge, Trug, Uinſittlichkeit und Gemeinheit, deſto mehr fühlt er ſich auch gedrungen, die edeln Kräfte, die ihm mit derſelben verliehen ſind, auszu⸗ bilden und zu gebrauchen. Je ſelbſtſtändiger der Menſch wird, mit deſto tieferer Ehrfurcht vor dem allein vollkommen ſelbſtſtändigen Weſen, vor Gott dem Aller⸗ heiligſten, blickt er zu ihm auf ohne Furcht, aber in Demuth, und die kindliche Scheu vor ihm, verbunden mit dem Gefühl ſeiner Menſchenwürde, drängt ihn, dem Reiz zum Boͤſen einen kräftigen Widerſtand entgegen zu ſetzen; Ver⸗ führung übt über ihn weniger Gewalt aus als über den unſtät Schwankenden. Der Selbſtſtändige weiß gar wohl, daß mit unſerer Macht allein Nichts ausgerichtet wird; aber der zuverſichtliche Glaube:„Gott verläßt Keinen, „dem es Ernſt iſt, mit Redlichkeit und Treue und mit der „Förderung des Guten,“ gibt ihm den Muth, dem Böſen unerſchrocken die Stirne zu biethen, dem Irrthum der Unwahrheit, dem Unrecht, der Anmaßung und allem Schlechten ohne Furcht vor den Waffen, die es führt, in den Weg zu treten; und es erhebt ihn der Gedanke, der Vertheidiger der Unſchuld, ein Mitfechter für Wahrheit, Recht und Tugend zu ſeyn, über allen Spott der Welt und kleinlich geſinnter Menſchen. Selbſt dann, wenn er ſehlt, wenn ihn das Bewuſſtſeyn, ſeine Würde


