Das Capitel von der Bildung zur Selbſtſtän⸗ digkeit iſt wohl eines der wichtigſten in dem Katechismus des Erziehers und die Ausführung ſeiner Regeln und An⸗ weiſung dazu eine der ſchwerſten Aufgaben, denn hier gilt vorzüglich die Weiſung der heiligen Schrift:„Hilf „zuvor dir ſelbſt, ehe du Andere arzneieſt,“ und der Zuruf: „Lerne den Menſchen kennen und finden im „Kinde.“ Einzelne Fingerzeige über dieſen Gegenſtand enthält meine Einladungsſchrift v. J. 1841; hier möchte ich dieſe und andere, zu einem Ganzen verbunden, Aeltern und Erziehern an's Herz legen; dieſe Abſicht wird einige hier vorkommende Wiederholungen rechtfertigen.
Stehen, feſt beharren auf ſich, auf Dem, was der Geiſt in uns will: Das heißt ſelbſtſtändig ſeyn, und, Dem gemäß aus ſich handeln, heißt ſelbſtſtän⸗ dig handeln. Daß hier nur von dem Wollen des Gei⸗ ſtes in ſeiner rechten Richtung nach Oben, nach der Erfüllung ſeiner höchſten Beſtimmung, der Annäherung an das Ideal der Vollkommenheit in Gott, die Rede ſeyn kann; daß wir uns dabei beſcheiden müſſen, nach Gottes Willen den Geſetzen der Natur unterworfen zu ſeyn; daß wir bei unſerm Wollen auch unſere Stellung, unſern Mit⸗ geſchöpfen gegenüber, berückſichtigen ſollen, verſteht ſich von ſelbſt. Die Nichtbeachtung dieſer Beſchränkungen unſeres Weſens führt zu einem blinden, unvernünftigen Wollen, daraus hervorgehenden thörichten Handeln, und gibt den Menſchen dem Eigenſinne, Starrſinne ꝛc. preis.
Schauen wir den ſelbſtſtändigen, tüchtigen Menſchen, blicken wir von ſeinen Aeuſerungen in ſein Inneres, ſo
1*


