war bei den geringen Mitteln, über die das Philanthropin zu verfügen hatte, freilich ſehr karg. „Aber die Begeiſterung, von der alle durchglüht waren, das innige Verhältniß, welches zwiſchen ihnen und dem vom gleichen Eifer beſeelten Vorſtande herrſchte, machte, daß man alle Mühe und Arbeit mit Freudigkeit übernahm und ſich durch die Fortſchritte belohnt fand, die in der That bei dem großen Lerneifer der Schüler das gewöhnliche Maaß überſtiegen.“ ¹) Dem entſprechend waren auch die Leiſtungen der Schule. Sie traten zunächſt hervor bei den öffentlichen Prü⸗ fungen. 3
III. Die öffentlichen Prüfungen im Philauthropin.
Man weiß, wie lebendig bei unſern Vorfahren das Intereſſe der Eltern an dem Fortgange des Unterrichtes ihrer Kinder war. Nicht ſelten erſchien der jüdiſche Vater während des Unter⸗ richtes in der Schule, um ſich von den Fortſchritten ſeines Sohnes zu überzeugen; an jedem Sabbath wurde das Kind in dem geprüft, was es die Woche über gelernt hatte ²). Wie in alter Zeit der Tag, an welchem der Knabe in der Schrift zu lernen anhob, als ein Feſttag mit einem Gaſtmahl gefeiert wurde ³), ſo gab ehedem auch die Beendigung eines Abſchnittes in der Thorah oder eines Tractats im Talmud willkommene Gelegenheit zu einer Familienfeier.— Etwas davon gewahren wir noch in dem Philanthropin. Die Vorſteher, die am Sabbath die Schüler beſuchen, prüfen ſie auch. Es gehört mit zur„Conſtitution“ des Philanthropin, daß ſich die Vorſteher und Lehrer desſelben nach der öffentlichen Prüfung am Schluß des Jahres bei einem Gaſtmahl vereinigen ¹) und daß dann auch die Zöglinge feſtlich geſpeiſt werden.
Im Uebrigen ſchloß man ſich in dieſer Beziehung dem an, was hier an anderen Schulen üblich war. An dem hieſigen Gymnaſium fanden damals halbjährliche Prüfungen der Art ſtatt, daß jedem Lehrer zu ſeinen Lectionen ein halber Tag überlaſſen wurde. Dadurch dauerte die Prüfung zuletzt beinahe fünf volle Tage; die kaum 200 Schüler wurden alſo jährlich 10 Tage hindurch öffentlich geprüft. Moſche beſchränkte die Dauer der halbjährlichen Prüfungen auf drei Tage ⁵).
Beim Philanthropin ſollte jährlich eine Hauptprüfung ſtattfinden⁵); die erſte wurde am 6. Januar 1805 abgehalten. Außer den Vorſtehern und zahlreichen Subſcribenten waren unter
¹) Heß, Die Bürger⸗ und Realſchule S. 19.
²) Das war eine ſo feſtſtehende allgemeine Sitte, daß unſer Landsmann, Herr Profeſſor Oppenheim dem„Verhören“ mit Recht ein ſchönes Blatt in ſeinen„Bildern aus dem jüdiſchen Leben“ gewidmet hat.
3³) S. Zunz: Zur Geſchichte und Literatur. Berlin 1845, Bd. I, 167.
4) Zu der erſten derartigen Feier erſchienen„Frohe Lieder zur Feier des erſten Stiftungsfeſtes des jüdiſchen Philanthropins zu Frankfurt a. M. am 6. Jänner 1805“, geſammelt von S. Geiſenheimer. Zum Beſten des Inſtituts gedruckt bei Sauerländer. 23 Seiten.
s) Moſche Einladungsſchrift zur Prüfungsfeierlichkeit im hieſigen Gymnaſium. April 1805. S. 37.
6) Die Dauer derſelben nahm mit der wachſenden Zahl der Schüler und Klaſſen zu. Anfangs genügte ein Vormittag, 1812 dauerte ſie vom 27.—30. Jan. incl. täglich von 2—7 Uhr Abends.
Baerwald, Zur Geſchichte der Realſchule. 3


