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Die Zahl der Schüler war im ſteten Zunehmen: ſchon 1807 mußte man eine dritte und im Juli 1809 eine vierte Klaſſe errichten.
Bis dahin waren ſehr ungleichmäßig vorgebildete Kinder in das Philanthropin eingetreten, „ſo daß die untere Klaſſe immer ein buntes, ungleichartiges Gemiſch von Kindern enthielt, bei denen eine gleichförmige Elementarbehandlung unmöglich war. Erſt ſeit einem halben Jahre,“ ſchreibt Heß im December 1809 ¹)“,„haben wir ganz kleine, noch völlig eindrucksloſe Kinder er⸗ halten und dieſes veranlaßte die Errichtung einer neuen vierten Klaſſe, worin der Elemetarun⸗ terricht nach der Peſtalozzi'ſchen Methode betrieben wird.“
Auch nach anderer Richtung hin war Moſche's Plan erweitert: Phyſik, Geometrie und Algebra wurden Gegenſtände des Unterrichts. Daneben wendete Heß ſeine Aufmerkſamkeit dem Sprachunterrichte zu, und was er damals über die Wichtigkeit der einzelnen Unterrichtszweige und deren methodiſche Behandlung ſchreibt, iſt heute noch durchaus beachtenswerth ²).
Verfolgt man Alles, was im Philanthropin geſchah, genau, ſo zeigt ſich, daß man den Werth der formalen Geiſtesbildung allerdings nicht unterſchätzte, daß man aber doch vorzugsweiſe bemüht war, die Jugend mit nützlichen Kenntniſſen und Fertigkeiten auszurüſten: richtig deutſch und wo⸗ möglich auch franzöſiſch ſchreiben und ſprechen, gut rechnen und ſchön ſchreiben ſollten die Kinder vor Allem lernen, daneben natürlich auch hebräiſch, Mathematik und Naturgeſchichte. Mit großer Strenge hielt man ferner auf Sauberkeit in Kleidung, Heften und Büchern und auf ein manier⸗ liches, anſtändiges Benehmen der Zöglinge. In der Sorge hiefür theilten ſich die Lehrer und die Vorſteher. Dieſe Letzteren faßten überdies die ganze Zukunft der armen Schüler in's Auge. Zeigte ſich bei einem Knaben Neigung und Talent zum Studium, ſo erhielt er Privatunterricht im Lateiniſchen und wurde dann dem Gymnaſium übergeben— Alles auf Koſten des Philan⸗ thropin. Für diejenigen Kinder, die Handwerker werden ſollten, gründete Geiſenheimer eine beſondere Klaſſe, aus der das Lehrgeld und die Koſten der Lehrlingszeit beſtritten wurden. Uns
¹) Einladungsſchrift zu der auf den 27. und 28. December 1809, Nachmittags 2 Uhr feſtgeſetzten Prüfung der Zöglinge des jüdiſchen Philanthropin’s(im Sorgiſchen Saale auf der Zeil) S. 4 ff.
¹) Wir heben hier eine Stelle hervor, in der Heß ſich über den hebräiſchen Unterricht ausſpricht:„In der jetzigen Jugendbildung kann nur ein Theil der Schulſtunden auf das Hebräiſche angewendet werden. Soll dieſer Unterricht, bei den Schwierigkeiten, welche Form und Materie der hebräiſchen Schriften entgegenſtellen, nicht zwecklos ſein, ſo muß eine beſſere Methode ſich eine Grenzlinie beſtimmen, die ſie erreichen kann. Dieſe glauben wir folgenderweiſe bezeichnen zu müſſen.— Der Schüler ſoll wenigſtens mit den fünf Büchern Moſis bekannt ſein; aus den andern Büchern werden mehrere der ſchönſten Stellen überſetzt und erläutert und eine allgemeine Einleitung belehrt ihn ſyſtematiſch über Entſtehung, Inhalt und Form derſelben. Dieſe Lection, mit dem Weſentlichen der Grammatik verbunden, ſetzt den Schüler in den Stand, ſeine Kenntniſſe für ſich zu er⸗ weitern und mit den Schätzen der hebräiſchen Literatur vertrauter zu machen.— Dieſes vorgeſteckte Ziel könnte jeder Schüler leicht erreichen, wenn nicht der Gedanke in ihm erregt würde, dieſen Unterricht als etwas Un⸗ nützliches und Veraltetes zu betrachten. In vielen Häuſern iſt dies unvermeidlich. Das Kind wird gelobt, wenn es ſchön ſchreibt, franzöſiſch ſpricht, das Hebräiſche aber wird kaum erwähnt. Selbſt Eltern, denen daran ge⸗ legen zu ſein ſcheint, ſind weit entfernt, demſelben einen gleichen Rang mit andern Kenntniſſen zu geſtatten; es ſcheint blos eine momentane religiöſe Aufwallung zu ſein, wenn ſie zuweilen danach fragen. So widerſprechen Viele ſich ſelbſt und verhindern das, was ſie ſo angelegentlich zu wünſchen ſcheinen. Sind es nicht gerade die Eltern, die das Intereſſe des Kindes an dem Gegenſtande zerſtören, ſo tragen alle Umgebungen unwillkührlich dazu bei; ja oft machen die Brüder die Geſinnung der Eltern lächerlich und der Knabe ergreift heimlich ihre Partei, um ſo mehr, da er dieſelben im vollen Beſitze der väterlichen Liebe ſieht, ſo wie ihr Anſehen in den Au⸗ gen der Welt durch ihre Unwiſſenheit im Hebräiſchen nicht das mindeſte verliert.“ Heß, Einladungsſchrift von 1812, S. 20 ff.


