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So wurde die neue Schule im Februar 1806 mit 16 Schülern in dem dazu auf der Schäfergaſſe ¹) gemietheten Local eröffnet.
Schon die erſten Jahre waren reich an Wechſelfällen. Im April 1806 verließ Moſche Frankfurt, um das Directorat des Gymnaſiums und der damit verbundenen St.⸗Katharinen⸗Bürger⸗ ſchule in Lübeck²) zu übernehmen: das Philanthropin verlor in ihm eine ſeiner Hauptſtützen ⁵). Im September deſſelben Jahres trat Levy, im December 1807 Diehl von ſeiner Stellung zurück; an die Stelle des Erſteren trat am 1. October 1806 Michael Heß, an die Stelle des Letzteren am 1. Januar 1807 Dr. Franz Joſeph Molitor als Hauptlehrer ein.
Von entſcheidender Bedeutung für die junge Anſtalt war die Berufung von Michael H eß ⁴).
Ich werde es nicht verſuchen an dieſer Stelle, wo es mir vorzugsweiſe darum zu thun iſt, Unbekanntes an's Licht zu ziehen, den Mann zu characteriſiren, deſſen Andenken in dieſer Gemeinde in friſcher Erinnerung fortlebt. Die Geſinnungen, die in den Gründern des Philanthropin mäch⸗ tig waren, lebten auch in Heß. Die einſeitige mangelhafte Bildung und das ſociale Elend ſeiner Glaubensgenoſſen ließen ihn nicht ungerührt. Daß man Beiden gründlich nur begegnen könne durch zweckmäßig eingerichtete Schulen, davon war er längſt überzeugt.„Welch' ein Glück wäre es für die Iſraeliten geweſen,“ ſchreibt er,„wenn man anſtatt der vielen Streitſchriften, ob die Anhänger der moſaiſchen Religion die Rechte des Bürgers verdienen, die Regierungen dazu bewogen hätte, einem Collegio der gebildetſten, mit dem Geiſte, dem Character und den Mrhält⸗ niſſen der Nation vertrauten Iſraeliten die Reformation des Erziehungsweſen zu übertragen, um die Ausführung derſelben zu unterſtützen⁰)!“ Für Frankfurt wenigſtens war jetzt ein ſolches Collegium vorhanden, das in ſeinen Beſtrebungen auch von der neuen Regierung, dem Fürſten Primas, unterſtützt wurde, und Heß ſelber war ein hervorragender Platz in demſelben beſchieden. „Er trat mit jugendlicher Begeiſterung für den Lehrerberuf ſein Amt an, ſich beglückt fühlend, ſein mühſam errungenes Wiſſen einer größeren Zahl lernbegieriger Knaben mittheilen zu können, ⁵)“ ſo ſagt er ſelbſt, aber wir dürfen hinzufügen: er faßte ſeine Aufgabe im Zuſammenhange mit den großen Bewegungen der Zeit und den Culturbeſtrebungen der Juden insbeſondere,— natürlich ſo wie er Beide erkannte*¹). Eifrig ſtudirte er pädagogiſche Schriften und wurde bald ein begeiſteter Anhänger Peſtalozzi's.— Der Fürſt Primas geſtattete den Juden die Erlernung der Handwerke d): Heß nahm Bedacht, den Zöglingen des Philanthropin„Liebe zu dieſer Art von Beſchäftigung zu erwecken und ſie in einigen, darauf ſich beziehenden Vorkenntniſſen zu unterweiſen ²).“— Der
¹)„Im Hauſe des Hutmachers Straub;“ man zahlte 240 fl. jährlich Miethe.
²) Er ſtarb daſelbſt, 47 Jahre alt, am 19. December 1815.
3³) Worte des Protocolls.
4) Geb. zu Stadt Lengsfeld im Weimariſchen am 9. April 1782, geſt. zu Frankfurt am 26. Febr. 1860. S. Einladungsſchrift von 1861 und S. Stern in Dieſterweg's Pädag. Jahrbuch von 1861.
⁵) Heß, Einige Worte über den Unterricht in der Moral und Religion, beſonders in Hinſicht auf das jüdiſche Philanthropin. Frankfurt a. M.(1808) S. 19.
6) Heß die Bürger⸗ und Realſchule der iſrael. Gemeinde zu Frankfurt a. M. Frankf. Auffarth 1857. S. 19.
¹) Wir unterliegen eben Alle, mehr oder minder, den beſchränkenden Einflüſſen derjenigen Welt⸗ und Lebens⸗ anſchauung, welche in der für unſere geiſtige Entwicklung entſcheidenden Lebensepoche vorwaltet. Heß war ein begeiſterter Verehrer Voltaire's und der Encyclopädiſten, er war in ſcharfer Ausprägung ein Mann aus der Zeit der Aufklärung. Hierin wurzelt die Größe wie die Beſchränktheit ſeiner Kraft.
8) Man weiß, wie damals überall ſich Vereine bildeten zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden.
*) Heß, Einladungsſchrift von 1809, und: Kurze geſchichtliche Darſtellung der Real⸗ und Volksſchule der iſraelitiſchen Gemeinde, als Einladungsſchrift zur öffentlichen Prüfung. Frankfurt 1823. S. 15.


