Aufsatz 
Zur Geschichte der Schule : 1. Teil: Das Philanthropin 1804-1813 / Hermann Baerwald
Entstehung
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ſcription, weit über die Grenzen der hieſigen iſraelitiſchen Gemeinde verbreitet wurde und zahl⸗ reiche Subſcriptionen auch Auswärtiger veranlaßte. Geiſenheimer entwickelte auch hier, im Herbeiſchaffen der Geldmittel eine große Rührigkeit ¹). Je nach den vorhandenen Mitteln wurden neue Zöglinge aufgenommen; zu ſechs hieſigen armen Kindern nahm man immer ein ſiebentes fremdes. Im Ganzen waren bis zum Auguſt 1805 achtzehn Knaben aufgenommen, unter dieſen befanden ſich ſchon zwei zahlende. Bereits im October 1804 war ſtatt Lambert, der freiwillig zurücktrat²), ein Lehrer Levy aus Frankfurt a. O. angeſtellt, ein tüchtiger Pädagoge. Schon damals erwies ſich das Schulzimmer zu klein, man bezog im römiſchen König in der Allerhei⸗ ligengaſſe zwei Zimmer. Die Knaben wurden uniformirt; auch die zahlenden Schüler mußten die gleiche Kleidung tragen. Es wurde noch ein Lehrer der franzöſiſchen Sprache, ein anderer für Naturgeſchichte angeſtellt. Das Inſtitut gewann eine immer feſtere Geſtalt, es erwies ſich als lebensfähig ³) und nun konnte man daran gehen, es unabhängig von anderen Schulen hinzuſtellen, esgemeinnützig und aus ſich ſelbſt beſtehend zu machen.

Eine neue Schule einzurichten und zu beaufſichtigen, hielten ſich aber die Vorſteher des Philanthropin nicht für fähig, ſie veranlaßten daher, daß von den Subſcribenten drei wiſſenſchaftlich gebildete Männer: Flaſchin und die Aerzte Dr. Goldſchmidt und Dr. Oppenheimer gewählt wurden). Aber die ſtudierten Herren Directoren waren baldzu ſehr beſchäftigt und überlikßen die Leitung ſämmtlicher Arbeiten auf einige Zeit den wackeren Vorſtehern, welchezur Ausführung dieſes großen und guten Werkes mit dem als Pädagogen rühmlichſt bekannten Conrector des hieſigen Gymnaſiums, Moſche, in Verbindung traten.Dieſer edle Mann fand ſich gleich bereit gratis, aus Menſchenfreundlichkeit, ſich der Arbeit zu unterziehen. In wieder⸗ holten Conferenzen mit den Vorſtehern des Philanthropin entwarf er einen Lehrplan für eine zweiklaſſige Schule, in welcher neben allen Zweigen des Elementarunterrichts auch das Franzö⸗ ſiſche und in ausgedehnter Weiſe das Hebräiſche gelehrt werden ſollte. Auf ſeine Empfehlung wurde der an der Muſtexſchule beſchäftigte Lehrer Diehl als Hauptlehrer angeſtellt, er ſollte wöchentlich 22 Unterrichtsſtunden geben und die Aufſicht über alle Lehrer haben, es wurde ihm deßhalb eine Wohnung im Schulhauſe angewieſen. Neben ihm ſollte der von Moſche ſehr ge⸗ ſchätzte Lehrer Lepy ſeine Lehrthätigkeit fortſetzen. Auf die Berufung der anderen Lehrer übte Moſche keinen Einfluß; es wurden deren noch fünf angeſtellt. Die Oberaufſicht ſollte eine Schul⸗ Commiſſion führen, beſtehend aus dem Conrector Moſche, den drei bereits erwähnten Directoren und den beiden Vorſtehern Geiſenheimer und Kulp.

¹) Er benutzte ſeine Stellung im Rothſchild'ſchen Hauſe, um zunächſt von den Mitgliedern dieſer Familie, dann auch, wie es ſcheint, von Geſchäftsfreunden und Geſinnungsgenoſſen in Carlsruhe, Elberfeld, Düſſeldorf, Amſterdam, Berlin ꝛc. Beiträge zu erhalten. Auch die Leute, welche zur Meſſe herkamen, wurden herangezogen. Unter den Subſcribenten erſcheinen die Väter von Heine und Börne und im J. 1811 hatDr. Ludwig Baruch(Börne) eigenhändig eingezeichnet. Noch eine Spende ſei erwähnt, die mehr wiegt, als die Gaben

der Reichen. Der arme, unglückliche Magiſter Klitſcher(er ſuchte und fand einige Jahre ſpäter ſeinen Tod in den Fluthen der Neiße), ſchenkte bei ſeiner Abreiſe von Frankfurt den Schülern des Philanthropin ein halbes Dutzend Reisfedern.

¹) Er wurde ſpäter grand-rabbin und Lehrer an dem jüdiſch⸗theologiſchen Seminar zu Metz.

³) Von allen aufgenommenen Schülern war, während der erſten zwei Jahre, nur ein einziger ausgetreten, jener Weintraub, der die Veranlaſſung zur Gründung des Philanthropin's geweſen war und der ſchon im October 1804 wegen ſeines ſchlechten Betragens entfernt werden mußte.

¹) Es wurde überhaupt eineneue Conſtitution für das Philanthropin berathen und zum Abſchluß ge⸗ bracht; ich habe jedoch die betreffenden Protocolle und die Conſtitution ſelbſt bis jetzt nicht auffinden können.