Aufsatz 
Der Umzug aus dem alten in das neue Schulgebäude und die Einweihung des letzteren / F. Eiselen
Entstehung
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. Räumen, wo uns in reichem Maße Luft und Licht umfließt. Aber nicht für uns Lehrer ist die Schule gebaut, nein, für Euch, liebe Schüler, Ihr seid hier die Hauptsache. Schaut Euch in diesem Saale um, für Euch hat die Stadt Frankfurt ein so schönes und kostbares Gebäude hingestellt. Sie sieht in Euch ihre zukünftigen Bürger und tüchtigen Männer. Ich habe neulich sagen hören, als die Schule besichtigt wurde: in diesen kostbaren Räumen wird die Jugend anspruchsvoller werden. Ich nehme das Wort an, aber nicht in dem Sinne, in dem es gemeint war. In der That, liebe Schüler, wollen wir Euch hier anspruchsvoller machen, ja, auch wir wollen hier anspruchsvoller werden, werte Amtsgenossen, aber nicht an die äußeren Verhältnisse, sondern an uns selbst. Hier soll nach tüchtigeren Leistungen, nach immer besserer Sitte gestrebt werden. Unsre Schule hat von Anfang an idealen Zwecken gedient, sie hat nicht bloß die Bildung für gewisse Lebenszwecke, am allerwenigsten ein Fertigmachen, wie schon der Herr Oberbürgermeister betonte, oder gar, daß ich es grob ausdrücke, ein Abrichten im Auge gehabt. Hätte ich, wie ich anfangs wollte, auch ein Verzeichnis der in den Schulberichten ver- öffentlichten Abhandlungen der Festschrift angehängt, schon dieses würde den Beweis gegeben haben, wieviel mehr das innere Leben der Schule. Seht auf die ersten Worte der deutschen Inschrift jener prächtigen neuen Fahne: Ein frommes Herz. Ja, das steht auch uns in erster Linie. Wir haben zwar andere Anschauungen, als jene trefflichen Männer, welche die Schule gründeten. Mit dem wieder erwachten geschichtlichen Sinn ist auch das Bewußtsein erwacht, daß die Religion sich in besonderen Glaubensformen auspräge, so ist auch der Religionsunterricht in der Schule gestaltet, aber vor allen Dingen gilt uns als das Höchste die Grundtugend des Christentums: die Liebe. In unsrem Gemeinschaftsleben betonen wir das Gemeinsame, wir verschmähen und weisen zurück den unduldsamen Geist, der überall Unfrieden stiftet. Bei ver- schiedenen Konfessionen bilden wir doch eine sittliche Gemeinschaft. Daun sehen wir auch das andere Wort der Fahne: Ein tapfres Herz. Ihr wollt ja alle Männer werden, ihr Knaben. Unser Leben wurzelt nächst jener allgemeinen Beziehung, die über alle Nationen hinausgreift, im Vaterlande. Da gilt es auch, wenn es sein muß, das Schwert zu ziehen und das Leben einzusetzen. Auf diesen beiden Grundlagen findet denn auch das»Incipiam et perficiam« seine rechte Stelle: Beginnen will ich und vollenden. Dann wird's gelingen. Unser Streben aber geht nach Erkenntnis und Wahrheit. Unsre Schule ist eine Realschule; mit dem Worte wird viel Mißbrauch getrieben, als ließe sich auf einer der Wirklichkeit zugewendeten Grundlage nicht Idealismus aufbauen, ja als seien die Realschulen Stützen des Materialismus. Diese Beschul- digungen weisen wir weit von uns zurück. Wäre den Realschulen mehr Luft und Licht ge- gönnt, wie es schon die vorhergehende Rede andeutete, dann würden sie noch besser als jetzt den Beweis liefern von ibrem Wesen als allgemeine Bildungsanstalten. Doch davon will ich hier nicht weiter reden. Ich wende mich noch an Euch, namentlich Ihr Kleineren; das schöne Gebäude fordert Euch auch auf zu guter Sitte; wenn man hier in unsrer Umgebung rohes, ungesittetes Betragen von Euch sehen würde, dann würde man spöttisch sagen: Der böse Bub will ein Musterschüler sein! Ihr wißt, es ist schon manchmal eine solche spöttische Anwendung des Namens der Schule gemacht worden. Das haltet nun immer mehr von Euch fern, munter und fröhlich könnt Ihr sein, aber nicht roh. Es bleibt mir endlich noch übrig, Ihnen, verehrter Herr Schulrat, Dank zu sagen, daß Sie gekommen sind, dieser Feier beizuwohnen als Vertreter der Königl. Provinzial-Regierung; wir legen es uns als ein Zeichen aus, daß auch diese Kategorie von Schulen der freundlichen Beachtung und Förderung der Staatsbehörden gewürdigt wird.«