Schulräume voll Licht und Luft, zweckmäßige Heizungs- und Ventilations-Einrichtungen, schöne Sammlungen und Laboratorien, eine vollausgerüstete Turnanstalt, einen geräumigen Spielplatz. Es sind Eure Eltern, die es selbst so gut in den Schulen nicht hatten, es ist die Bürgerschaft, die keine Opfer scheute, welcher Ihr dies zu verdanken habt. Ihr werdet Eure Dankbarkeit bekunden durch um so größeren Fleiß und Eifer, damit Ihr dereinst mit Genugthuung und Zufriedenheit an Eure Schulzeit zurückdenken könnt. Glaubt mir, was auf der Schule versäumt ist, kann später nie ganz nachgeholt werden. Denkt weniger an Euren zukünftigen Beruf, erfüllt Euch mit Wissensdurst und wissenschaftlichem Sinn, laßt Euer Wissen in Harmonie stehen mit einer edlen Gesinnung, welche nicht durch den Besitz von Kenntnissen allein, sondern durch die sittliche Charakterbildung und fromme, bescheidene Denkungsart gegeben wird. Dann werden die für diese Schule gebrachten Opfer für Euch und uns tausendfältige Früchte tragen. — In dieser Hoffnung übergebe ich dies Gebäude seiner humanen Bestimmung. Wenn andere Schulen es ihr auch gleichthun, möge sie niemals in ihrem Streben ermüden, das höchste Muster geistiger und sittlicher Ausbildung zu erreichen.“«
Hierauf sprach der Direktor etwa Folgendes: ¹)
„»Hochgeehrte Herren, insbesondere werte Amtsgenossen, liebe Schüler! Es ist schwer für mich, nach einer Rede, wie sie eben der Herr Oberbürgermeister gehalten hat, zu sprechen. Er hat uns in einem Uberblick die Geschichte der Schule vorgeführt von ihrem mühsamen Beginne bis jetzt und den Dank abgetragen jenen trefflichen Männern, welche sich um die Schule ver- dient gemacht haben. Auch ist es schwer zu vermeiden, daß ich nicht Gedanken wiederhole, die schon beim Auszuge aus dem alten Hause ausgesprochen sind. Aber auch auf diese Gefahr hin will ich reden. Ich selbst habe schon in der Festschrift den Gründern der Anstalt den ihnen gebührenden Dank darzubringen gesucht, aber ich kann es auch an dieser Stelle um so weniger unterlassen, als ich einen Enkel Hufnagel's und zugleich Schwiegersohn des treff- lichen Bruckner, der als Direktor der Anstalt u. a. den regelmäßigen Betrieb des Turnens ein- geführt hat, vor mir sehe. So bringe ich denn noch einmal unsern Dank dar allen jenen Männern, die von Anfang an für die Musterschule und an derselben mit Hingebung gearbeitet haben. Aber ich. will mich mehr der Gegenwart zuwenden, und so richte ich meinen Dank an Sie, Herr Oberbürgermeister, als Vertreter der Stadt, welche der Schule dieses prachtvolle Gebäude stiftete, namentlich aber auch an Sie, meine Herren vom Schulkuratorium, die Sie immer wohl- wollend gegen die Musterschule waren und das Beste derselben förderten, an den Bauherrn endlich und an die Baumeister, die das Gebäude so schön und so zweckmätßzig vollendeten. Das Gebäude steht nun da, aber es muß erst von einem höheren Baumeister innerlich gebaut werden, um zu bestehen; denn wo der Herr nicht das Haus bauet, arbeiten umsonst die daran bauen. In diesem Bewußtsein, meine werten Amtsgenossen, lassen Sie uns denn hier thätig sein.— Mich, wenn es erlaubt ist, von sich zu reden, erfüllt der Tag mit besonderer Freude. Es be- währt sich der Goethe'sche Spruch:»Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle.« Seit 25 Jahren und mehr leite ich höhere Schulen immer in unzureichenden Gebäuden, und jedesmal, wenn ein schöneres Gebäude errichtet wurde, ward ich zu einem erweiterten Wir- kungskreise abgerufen; hier aber will ich Hütten bauen, hier will ich, wenn Gott will, lange ver- weilen und wirken.— Ja, es ist eine Freude hier zu arbeiten, werte Amtsgenossen, in diesen
¹) Die Rede ist nachträglich aus dem Gedächtnis niedergeschrieben.


