Aufsatz 
Der Umzug aus dem alten in das neue Schulgebäude und die Einweihung des letzteren / F. Eiselen
Entstehung
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in die Hand der neugebildeten städtischen Schulbehörden. Ich bin erfreut, von den überlebenden Mitgliedern der letzten ökonomischen Deputation, den Herren Dr. Schlemmer, Alexander Scharff, Hermann Nestle, Gustav Günther, einen auch heute hier begrüßen zu können. Nachdem die Anstalt 1873 zu einer Realschule I. Ordnung erhoben war, trennte die Knaben- schule sich von ihrer Schwesteranstalt, welche als Elisabethenschule 1876 ein eigenes, selbstän- diges Leben begann. So zieht erstere nun heute, in Allem wohl ausgerüstet, in ihre neue, schöne Wohnstätte ein. Lang und mühsam ist der Weg gewesen. Von Stufe zu Stufe ist die Anstalt emporgestiegen; aber sie darf nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, die Anforderungen sind nur gewachsen, die Aufgaben nur vermehrt. Im Vergleich mit der Vergangenheit, auf welche wir einen flüchtigen Blick geworfen haben, ist es heute leicht, eine neue Schöpfung ins Leben zu rufen, eine bestehende Anstalt neu auszurüsten. Beschluß, Genehmigung und Ausführung liegen nahe bei einander. Die Mittel gewährt die Gemeinde, das Gebäude ist, Dank der Erfahrung und dem Geschicke unserer städtischen Architekten, bald in schöner und zweckmäßiger Weise hergestellt, Lehrer und Schüler geben sich ans Werk. Aber nun erst beginnt die eigentliche pädagogische Arbeit. Hier ist der Anfang leicht, das Werk selbst aber schwer. Eine Schule verlangt dauernde, liebevolle, sorgsame Pflege der Behörden, der staatlichen und convenierenden Organe, dauernde, nicht bloß pflichtmäßige, sondern freie, hingebende, ja zielbegeisterte Arbeit der Lehrer, dauernden Gehorsam, Eifer, Fleiß und wissenschaftlichen Sinn der Schüler. Indem ich namens der Stadt diese Anstalt in die Verwaltung und Leitung des städtischen Schulkura- toriums übergebe, bin ich gewißs, daß es ihr auch in der Zukunft weder an der Fürsorge und dem Wohlwollen der staatlichen Oberaufsicht, noch an der einsichtigen und liebevollen Verwal- tung und Förderung seitens unserer Herren Kollegen des Magistrats und der Stadtverordneten- Versammlung und vor allem der Mitglieder des Kuratoriums selbst fehlen wird, welche in so hingebender Weise der Pflege unseres Schulwesens sich widmen. Mit vollem Vertrauen auf Ihre bewährte Leitung, Herr Direktor, sehen wir die Schule von dem neuen Gebäude Besitz ergreifen. Wir wissen wohl, daß Ihnen und Ihren Herren Kollegen eine besonders schwere Auf- gabe gestellt ist. Die Zeit des Stockens von Handel und Industrie ist den Realschulen nicht günstig; doch werden auch wieder günstige Zeiten kommen. Die Stellung der Realschule I. Ordnung ist noch einigermaßen unsicher und angefochten, aber wir dürfen auf eine baldige Klärung hoffen. Die Realschulen sind keine Fachschulen, keine Abrichtungsanstalten für den einjährigen Militärdienst, sie sind allgemeine Bildungsanstalten auf dem Boden der exakten und der Naturwissenschaften, und haben als solche in dem Kampf mit der klassischen Bildung sich siegreich bewährt. Die Vereinigung der realen mit den klassischen und sprachlich-formalen Bildungselementen in der Realschule I. Ordnung ringt erst nach voller Anerkennung und erfordert jedenfalls, soll sie ganz gelingen, besonders hohe Leistungen von Lehrern und Schülern. Sie kann aber nur gelingen, wenn die Anstalten Eltern und Schüler finden, welche in der Lage und gewillt sind, die Bildungselemente der Schule ganz für sich nutzbar zu machen. Volle Absolvierung aller Klassen, Abschluß einer systematischen Vorbildung gefüllte Primen das ist unser Ziel. Wer mit der Sekunda abgeht, wäre meines Erachtens ebenso gut auf eine Realschule II. Ordnung gegangen. Hoffen wir, daß der Wohlstand unserer Bürgerschaft, ihr reger Eifer für eine wahrhaft höhere Bildung hier nachhilft, und daß Sie, meine Herren Lehrer, viele Schüler finden, welche ihnen bis zum Schluß treu bleiben. Aber nicht der Schulbesuch thut es allein. Unsere Jugend findet hier Alles vortrefflich für sie bereitet: schöne, gesunde