auch für das hiesige Schulwesen überhaupt lehrreich. Sie zeigt uns das allmähliche und müh- same Durchdringen der modernen Auffassung von der Erziehung der Jugend als einer Pflicht der Gesamtheit, als einer öffentlichen Aufgabe, den schrittweise errungenen Sieg des Begriffs der Schule als einer Veranstaltung Aller für Alle. Sie zeigt uns den frischen Bildungseifer der letzten Jahrzehnte des vorigen, und des ersten dieses Jahrhunderts, die Erschlaffung auch in dem Interesse für die Schule und die Verengung der freien Auffassung ihrer Ziele in den Jahren nach den Freiheitskriegen, dann das in immer schnellerem Tempo sich kundgebende Wieder- erwachen in den letzten Jahrzehnten.— Inmitten der zünftigen Privatschulen der vorigen Jahrhunderts, als die Inhaber des verkäuflichen und vererblichen Schulgewerberechtes in Frankfurt noch in dumpfen ungesunden Schullokalen die Jugend der Stadt im eigenen Erwerbs- interesse, unterstützt von Gesellen und Lehrlingen unterrichteten, ist die Musterschule gegründet als eine Verwirklichung des Gedankens der Schrift»Für und über öffentliche Schulen« von Hufn agel, dem späteren Senior in Frankfurt, und einem der Begründer der neuen Anstalt. Und doch ist die Schule lange Zeit hindurch nicht zur vollen Entwieklung einer öffentlichen Anstalt gelangt. Ihre Fonds wurden durch Vermächtnisse, Schenkungen und durch Sammlungen der Bürgerschaft zusammengebracht, ihre Verwaltung war einer»ökonomischen Deputation« anvertraut, welche eine wesentlich privatrechtliche Stellung hatte. Erst nach und nach fand die Schule die An- erkennung, später erst eine Organisation durch die Behörden, und noch später eine materielle Unterstützung durch den Staat. Wie so vieles in Frankfurt, beruhte die Musterschule auf dem Zusammenwirken der Bürgerschaft, der freiwilligen Thätigkeit patriotischer Männer und der Behörden, insbesondere des Konsistoriums, und konnte so erst nach und nach die Stellung einer wahrhaft öffentlichen Institution erringen. Um so dankbarer müssen wir auch bei dieser Ge- legenheit der langen Reihe edler und humaner Männer gedenken, deren opferfreundigen Be- mühungen die Schule ihr Dasein und ihre Blüte verdankt, des edlen Freiherrn von Günderrode, welcher in den schwersten Zeiten allgemeiner und eigener Drangsal, wie bei so vielen anderen bedeutsamen Werken auch hier voransteht und der eigentliche Begründer und langjährige Förderer unserer Schule ist, des Schöffen von Uffenbach, dessen Vermächtnis den ersten Grundstock der Schule bildete, des Seniors Hufnagel, dessen begeisterte Predigten das allgemeine Interesse in der Bürgerschaft für die neue Schöpfung wachriefen, des Freiherrn von Bethmann, dem die Schule an materieller Hilfe und geistiger Anregung gleichviel verdankt, der Pfarrer Benkard, Pregel, Spieß und so vieler anderer, welche vielfach noch im Gedächtnis der Gegenwart fort- leben. Wir wollen uns des Ringens und der segensreichen Arbeit der Direktoren der Muster- schule erinnern, der Mühen, Sorgen„und Kämpfe des ersten jugéndlich begeisterten Direktors Klitscher und seines tragischen Unterliegens, des hervorragenden Pädagogen Gruner, der auch der Last der aufgetürmten Schwierigkeiten weichen mufte, seines tüchtigen Nachfolgers Seel, der Direktoren Bagge, Bruckner, Kühner. Wir lassen vor unserem rückschauenden Blicke die große Anzahl bedeutender Lehrer und Pädagogen vorüberziehen, welche an dieser Schule wirkten, die Diesterweg, Ackermann, Scholderer und so viele andere, welche ich den kundigen Zuhörern nicht zu nennen brauche.— In den Stürmen der traurigsten Kriegsnöte erdacht, 1803 gegründet, erhielt die Schule erst 1817 eine feste Organisation durch den Erlaß der Schulordnung, als eine Erziehungsanstalt für das gebildete, nicht studierende Bürgertum, und trat 1867 als Realschule II. Ordnung in die Schulkategorien des preußiischen Staates; im Jahre 1872 legte die»ökonomische Deputation« die Verwaltung der Anstalt, welche sie so lange und so erfolgreich geführt hatte,
Aufsatz
Der Umzug aus dem alten in das neue Schulgebäude und die Einweihung des letzteren / F. Eiselen
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