Aufsatz 
Der Umzug aus dem alten in das neue Schulgebäude und die Einweihung des letzteren / F. Eiselen
Entstehung
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Klarheit und Tiefe seiner Gedanken sind uns nicht fremd, und wohl wissen wir, wie sich unsere größten Geister an dem Altertum gebildet haben.

»Zur Linken der Meister mit der Kirche im Arm bedeutet den Ubergang vom Mittelalter zur Neuzeit und stellt den geshichtlichen Zusammenhang her.

Zu den Fütßen des Kaisers steht die Hauptinschrift:

»Incipiam et perficiam!«

»Beginnen will ich und vollenden!« So könnte Karl der Große gesprochen haben, aber auch wir machen es uns zum Wahlspruche:»Frisch ans Werk und standhaft bis zur Vollendung!«

In die Bestrebungen der Neuzeit führen uns die Bilder von Johann Kepler und Alexander von Humboldt. Beide setzten begeistert ihre Kraft daran, die Gesetze des Welt- alls zu entdecken. Kepler stellt jene drei großen Grundgesetze auf, nach welchen sich die Bewegungen der Himmelskörper vollziehen, Humboldt brachte die Ordnung im Kosmos zu lebendiger Anschauung.

»Nach heißem Ringen auf den verschiedensten Gebieten brach das Licht der freien Forschung hervor, der Strahlenkranz über Karl dem Großen ist die Sonne der Neuzeit, die auch in unserem staatlichen Leben herrliche Tage gesehen hat und fernerhin noch sehen möge!

»Wie das Streben jener Männer uns auf dem Gebiete der Wissenschaft zum Vorbilde dient, so streben wir auf dem sittlichen Gebiete der Verwirklichung des zweiten Wahl- spruches nach:

»Ein frommes Herz, ein tapfres Erz, »Das Auge klar, die Rede wahr, »Das steht wohl an, und ziemt dem Mann!«

»Die Symbolik deutet in großen Zügen den Entwicklungszustand an, in dem wir auf der Stufenleiter der Kultur uns befinden. So möge die Fahne selbst als Schmuck unsere Schule auf ihren künftigen Wegen begleiten. Wenn wir vaterländische Feierlichkeiten begehen, wenn sich die Früchte eines mühevollen Jahres zeigen sollen, oder wenn die Schule als Ganzes nach außzen hin auftritt, dann möge, wie das ehrwürdige Bild des Kaisers als Symbol auf das geeinigte Vaterland hindeutet, die Fahne als Symbol der Gemeinde unserer Musterschule dastehen.

»Es mögen jene vier Angelpunkte eines staatlich glücklichen, sittlich tüchtigen Reiches, welche unser Wahlspruch enthält:

Frömmighkeit, Tapferkeit, Klarheit und Wahrheit bei uns, bei der heranwachsenden Jugend stets gepflegt werden, so werden sie dem Manne nicht fehlen.

»Und so übergebe ich im Namen meiner Mitschüler die Fahne unserer Schule zu würdigem Gebrauche und zu bleibendem Schmucke!«

Darauf erwiderte der Direktor etwa Folgendes:»Indem ich für die Schule die schöne prachtvolle Fahne in Empfang nehme, sage ich Ihnen Dank, liebe Schüler, die Sie der Schule ein solches Geschenk gemacht und verschafft haben, Dank aber auch allen nah und fern, welche teilhaben an dem schönen Kunstwerke durch Gaben oder durch künstlerische Erfindung und Ausführung. In sinnentsprechender Weise haben Sie, lieber junger Freund, das Bildwerk und die Sprüche der Fahne uns gedeutet; ich habe nichts weiter hinzuzufügen. So soll uns die Fahne voranziehen aus dem alten in das schöne neue Schulhaus. Aber wir wollen dieses alte Haus nicht verachten, wenn es auch nicht schön ist. Hier ist unsere Schule entstanden