Aufsatz 
Der Umzug aus dem alten in das neue Schulgebäude und die Einweihung des letzteren / F. Eiselen
Entstehung
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»Verehrte Herren! Liebe Mitschüler!

An der liebgewonnenen Stätte des alten Schulgebäudes wollen wir der Schule, bevor sie dasselbe auf immer verläßt, ein Angebinde mit in das neue Haus geben: eine Fahne, welche stets an diesen wichtigen, denkwürdigen Tag erinnern soll.

»Ein wechselvolles Spiel von Besorgnis und floffuung hat die Entstehung der Fahne bis auf diesen Punkt begleitet und nun können wir allen, welche an dem Gelingen des schönen Planes bis hierhin mithalfen, unsern innigsten Dank aussprechen..

»Wir danken Euch, Ihr lieben Mitschüler, die Ihr uns teils selbst, teils von Euren Eltern Gaben gespendet habt. Den geehrten Lehrern unserer Anstalt und besonders Ihnen, verehrter Herr Direktor, sprechen wir für die bereitwillige Freundlichkeit, mit welcher Sie unsere Bemüh- ungen unterstützten, den innigsten Dank aus. Wir gedenken auch der Elisabethenschule heute dankend, sowie der alten Schüler und Schülerinnen unserer Anstalt, die ihr Anhänglichkeit be- wahrt und Teilnahme bewiesen haben, die zum Teil selbst aus weiter Ferne, aus St. Petersburg und New-York, ihre Gaben sandten; wir gedenken ferner aller Freunde und Gönner, die uns durch Geben und Sammeln zu Dank verpflichtet haben. Zum Schluß lassen Sie mich noch des Herrn gedenken, der mit liebenswürdigster Uneigennützigkeit unser Unternehmen förderte: unser innigster Dank gebührt Ihnen, geehrter Herr Vorländer, für Ihren schönen Entwurf, durch welchen Sie die Herstellung der Fahne in würdiger Weise, in künstlerischer Vollendung ermög- lichten und hohen allgemein entsprechenden Ideen Ausdruck verliehen.

Unser Dank gebührt dann auch den Herren, welche dem herrlichen Plane durch voll- endete Ausführung gerecht wurden.

»Es möge die Fahne selbst, besser als jedes Wort, die Schönheit des Entwurfes in er- höhtem Maße zur Darstellung bringen, es möge die Hülle fallen und die Fahne sich zeigen: allen Stiftenden zu Freude und Dank, dem, der sie erfand, zu Dank und Ruhm!«

Nun fiel die Hülle und mit einem Tusch des Musikeorps wurde die Fahne begrüsst. Darauf fuhr der Redner fort:

»Wenn wir die einfache, leicht verständliche Zier einer Fahne verließen und an Stelle des deutschen oder des Frankfurter Adlers fernerliegende Sinnbilder wählten, so wird dies der bedeutungsvolle Augenblick rechtfertigen, es wird aber auch am Platze sein, einige Worte über deren Deutung zu sagen.

»Als Hauptbild erscheint Karl der Große, der als Gründer unserer Stadt gilt, in seiner kaiserlichen Majestät. Mit dem Schwerte hat er sein Reich gegründet, aber mit mächtigem Scepter hat er es durch weise Gesetze beherrscht. Frömmigkeit und Gesittung, Kunst und Wissenschaft hat er gepflegt. Umgeben von einem Kreise thatkräftiger und weiser Männer, hat er auch der Schule seine Sorge zugewandt und das deutsche Element besonders gefördert. Zwar hat nur sein starker Arm es vermocht, die gewaltigen Ländergebiete zusammen- zuhalten, nach seinem Tode hat sich sein Reich in kleinere Teile aufgelöst, aber im Anblick jener greisen Heldengestalt erfüllt uns die jetzige Größe des östlichen Teiles jenes fränkischen Reiches, unseres teuern deutschen Vaterlandes, mit Stolz.

»Zur Rechten Karls des Großen steht eine opfernde Priesterin, als ein Sinnbild des Alter- tums. Unsere Schule ist zwar den Wissenschaften der Gegenwart gewidmet, aber auch die Größze des Altertums in Kunst und Wissenschaft, die Hoheit seiner dichterischen Anschauungen, die