Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Die letzten Jahre. 165

unter beſonders ſchwierigen Verhältniſſen zu verſehen. Zu den zahlreichen Störungen, die gerade damals durch Erkrankungen innerhalb des LCehrerkollegiums den Unter⸗ richt trafen, trat der Verluſt eines mit reichem Wiſſen ausgeſtatteten, charakter⸗ feſten und pflichttreuen Lehrers, Prof. Dr. Robert Steinhard, der nach mehr⸗ woͤchigem Krankenlager im Oktober 1899 verſchied. Daß der ſtellvertretende Leiter die Anſtalt dem neuen Direktor trotz aller dieſer Schwierigkeiten in wohl⸗ geordneter Verfaſſung übergeben konnte, war nicht zum wenigſten der hingebenden Treue und Gewiſſenhaftigkeit zu verdanken, die das ganze Wirken Dobriners kennzeichnete, und die er in den letzten Jahren in der Stellung des Direktions⸗ gehilfen noch beſonders betätigt hatte.

Hoch vor dem Austritt Baerwalds war zu ſeinem Nachfolger vom Schul⸗ rat der Rektor der Mädchenſchule der jüdiſchen Gemeinde zu Berlin, Dr. Salo Adler, gewählt worden; nachdem die Wahl die Allerhöchſte Beſtätigung gefunden hatte, wurde der neue Direktor am 24. April 1900 feierlichſt in ſein Amt ein⸗ geführt. In ſeiner Antrittsrede gelobte er, den Bahnen der bisherigen Leiter zu folgen und für die Ideale, die in der Schule ihren Ausdruck finden, für wahre Humanität und edle Menſchenliebe, das Intereſſe bei den Gemeindemitgliedern wach zu erhalten.

Leider wurde der neue Direktor gleich in der erſten Seit ſeiner Tätigkeit der Mitwirkung hervorragender und bewährter Lehrer beraubt. Andauernde Krankheit zwang Guſtav Wertheim, am 1. Juli 1900 in den Ruheſtand zu treten, 2 Jahre ſpäter, am 31. Auguſt 1902, iſt er ſeinem Leiden erlegen. Wertheim gehörte zu jenen am philanthropin nicht ſeltenen Männern, die durch ihre große unterrichtliche Befähigung wie durch ihre perſönlichkeeit eine nachhaltige Einwirkung auf die Jugend übten, die ferner durch wertvolle wiſſen⸗ ſchaftliche Leiſtungen das Anſehen der Schule nach außen erhohten.*) Seine in Gemeinſchaft mit Helmholtz vorgenommenen Übertragungen hervorragender phyſi⸗ kaliſcher Werke, ſeine Sorſchungen auf dem ſchwierigſten Gebiet der Mathematik, dem der Zahlentheorie, die ausgebreitete Kenntnis der Geſchichte ſeines Sorſchungs⸗ gebietes, die ſich in zahlreichen Abhandlungen kundgab, fanden bei ſeinen Sach⸗ genoſſen die gleiche Anerkennung und Würdigung wie ſeine meiſterhafte, klare und feſſelnde Unterrichtsweiſe im Kreiſe der Schule, der er länger als 30 Jahre ſeine Dienſte gewidmet hat.

Wenige Monate ſpäter wurde der Sachgenoſſe und treue Sreund Wertheims, Dr. Hermann Dobriner, der Schule und der Wiſſenſchaft jäh entriſſen. Seit ſeinem Amtsantritt, Oſtern 1883, hatte Dobriner vermöge ſeiner Geiſtesgaben und ſeiner trefflichen Charaktereigenſchaften eine hervorragende Stelle innerhalb des Lehr⸗

*) Außer denjenigen, die am philanthropin ihre Lebensarbeit geübt und deshalb in der Geſchichte der Schule bereits aufgeführt worden ſind, ſeien hier noch beſonders erwähnt: Dr. Auguſte Boullenot(Cehrer der franzöſiſchen Konverſation 18691899), Harry Breßlau(Cehrer 18711872, gegenwärtig Profeſſor der Geſchichte an der Univerſität Straßburg), der Goethebiograph Albert Bielſchowsky(Cehrer 18721874), Emil

philippſon(Cehrer 18741886, ſeitdem Direktor der Jacobſonſchule zu Seeſen a. H.), Cudwig Tachau(Lehrer 1881 1888, gegenwärtig Direktor der Samſonſchule zu Wolfenbüttel).