Direktor Baerwald 1893— 1899. 163
ſchon 4 Jahre ſpäter zu dem Gedanken, die Leitung der Anſtalt niederzulegen; die Rückſicht auf die Schule, die gerade damals ſeiner Erfahrung bedurfte, beſtimmte ihn indes, trotz der ärztlichen Mahnungen ſeinem Amte unter gewiſſen Erleichte⸗ rungen, die der Schulrat bereitwilligſt zugeſtand, noch weiterhin vorzuſtehen. Es wurde ihm auf ſeinen Antrag in dem Oberlehrer der Anſtalt, Dr. Dobriner, ein Direktionsgehilfe beſtellt, der ihn in ſeinen amtlichen Geſchäften entlaſten, ins⸗ beſondere die äußere Ordnung wahren und die Aufſicht über einige Unterrichtszweige übernehmen ſollte. So konnte denn Baerwald, zumal er auch von der Verpflichtung der Unterrichtserteilung entbunden war, noch zwei weitere Jahre der Anſtalt widmen; ſein 70. Geburtstag, den er am 7. Ilovember 1898 feierte, war auch für die Schule und Gemeinde ein erhebendes Samilienfeſt. Leider traten kurz nach demſelben die Beſchwerden des Alters in ſo geſteigertem Maße hervor, daß er im Sebruar 1899 um die berſetzung in den Ruheſtand nachſuchte, der ihm vom Schulrat und der vorgeſetzten ſtaatlichen Behörde mit dem Ausdruck innigſten Dankes und wärmſter Anerkennung ſeines Wirkens gewährt wurde.
Weitere veränderungen im Lehrkörper.
Länger als 31 Jahre hatte Baerwald an der Spitze des Philanthropins geſtanden; von den Lehrern und LCehrerinnen, die er bei ſeinem Amtsantritt vorgefunden hatte, war niemand mehr an der Schule tätig. Als die letzten waren 1898 die Lehrerin Srau Stern durch Penſionierung, 1895 der Geſanglehrer Kunkel durch den Tod von der Schule geſchieden; 1893 war im hohen Alter von 95 Jahren die Handarbeitslehrerin Srau Henriette Bonn, die kurz nach dem Amtsantritt Baerwalds in den Ruheſtand getreten war, geſtorben; in demſelben Jahre hatte der Tod auch den talentvollen Heichenlehrer Alexander Stix dahin⸗ gerafft, der durch 26 Jahre die Schüler für die Ideale des Schönen und Guten zu begeiſtern geſucht hatte.
Ein andauerndes Halsleiden hatte bereits 1892 Jſaak Blum ver⸗ anlaßt, ſein Amt niederzulegen, in dem er ſich in 36 jähriger CTätigkeit große Verdienſte um die elementaren Sächer und namentlich um den naturgeſchicht⸗ lichen Unterricht erworben hatte; unabläſſig war Blum bemüht geweſen, dieſen Unterricht, der ihm beſonders am Herzen lag, zeitgemäß umzuformen und ihn durch die von ihm eingerichteten Sammlungen anſchaulich und fruchtbringend zu geſtalten. Hach ſeiner Penſionierung widmete er ſeine Tätigkeit der Sencken⸗ bergiſchen llaturforſchenden Geſellſchaft, in deren Verwaltung und Leitung er wiederholt berufen wurde; aber auch der Schule bewahrte der wackere Lehrer, wie ſein Beitrag für die Jubelſchrift beweiſt, andauerndes Intereſſe. Sein 70. Ge⸗ burtstag, den er am 11. April 1903 beging, fand ihn ſchon ſchwer leidend; wenige Tage darauf iſt er verſchieden.
Gleich Blum beſaß Baruch Srank, der 21 Jahre lang bis zu ſeinem 1895 erfolgten Tode am Philanthropin tätig war, eine beſondere Vorliebe für die natur⸗ wiſſenſchaftlichen Sächer; wie Blum in der Realſchule, ſo hat Srank in der
Mädchenſchule durch ſeinen Unterricht erfriſchend und belebend gewirkt und ſich 11*


