162 Der Name der Schule.
Der ame der Schule.
Die Seitverhältniſſe berührten ſelbſt den Namen der Schule; 1889 wurde ihr die neue Bezeichnung, die ſie gegenwärtig führt, gegeben*). Von ihren Be⸗ gründern war die Anſtalt„Jüdiſches Philanthropin“ genannt worden, ein Name, der ihren Sweck und die Richtung, die ſie bei der Erziehung verfolgen ſollte, kurz und treffend ausdrückte. Als im Jahre 1811 das erſte chriſtliche Kind für die Anſtalt angemeldet wurde, beſchloſſen die Vorſteher, die Schule lediglich „Philanthropin“ zu nennen, und dieſe Bezeichnung iſt bis heute im Volksmund die einzig gebräuchliche geblieben. Bei ihrer Umwandlung in eine Doppelanſtalt, in eine Volksſchule und Realſchule, in der Zeit des Großherzogtums Srankfurt, erhielt die Anſtalt den Titel„Bürger⸗ und Realſchule für die Iſraelitiſche Ge⸗ meinde“, nach Wiederherſtellung des Sreiſtaates nahm ſie die entſprechende Bezeichnung„Real⸗ und Volksſchule der Iſraelitiſchen Gemeinde“ an. Die Volks⸗ ſchule, in der Kinder unbemittelter Eltern zumeiſt unentgeltlich unterrichtet wurden, ging 1854 ein, die Schule behielt aber ihren Namen; allerdings wurde er eine Seitlang von den Leitern ganz willkürlich geändert, bald heißt die Anſtalt in den programmen„Volks⸗ und Realſchule“, bald nur„Araelitiſche Realſchule“, zumeiſt tritt die Bezeichnung aus der großherzoglichen Seit„Bürger⸗ und Real⸗ ſchule der Iſraelitiſchen Gemeinde“ auf. Seit 1867 wird der Name„Real⸗ und Volksſchule der Iſraelitiſchen Gemeinde“ feſtgehalten, der ihr auch in der Schul⸗ ordnung vom Jahre 1822 beigelegt iſt. Auf Anregung des Provinzial⸗Schul⸗ kollegiums iſt der Schule 1889 die neue korrektere Bezeichnung„Realſchule der Iſraelitiſchen Gemeinde“ in Verbindung mit dem alten, vertrauten lNamen „Philanthropin“ beigelegt worden.
Direktor Baerwald 1893—1899.
Mitten in rüſtigem Schaffen konnte Baerwald am 3. Auguſt 1893 die Seier ſeiner 25jährigen Tätigkeit als Leiter des Philanthropins begehen. In unab⸗ läſſiger Arbeit und Sorge hatte er während des Vierteljahrhunderts die ſeiner Sührung anvertraute Anſtalt durch die wechſelnden Strömungen ſicher geleitet und auch außerhalb ſeiner amtlichen Tätigkeit in der Verwaltung zahlreicher Stiftungen zu reichem Segen gewirkt; gern und freudig ergriffen alle diejenigen, die mit ihm in gemeinſamer Arbeit verbunden waren, die Gelegenheit, ihm zu ſeinem Jubeltage ihre aufrichtige Dankbarkeit kundzugeben. So war denn die Turnhalle der Anſtalt Schauplatz einer Seier, wie ſie die Schule in gleichem Um⸗ fang niemals begangen hat. Durch die Reden der Vertreter des Schulrats und der Gemeindebehörden, des Lehrerkollegiums und der Leiter der hieſigen Lehr⸗ anſtalten klang der Con der innigen Verehrung für den Jubilar und der Wunſch, daß ihm die göttliche Gnade die Kraft verleihen möge, der Anſtalt noch durch viele Jahre zu weiterem Segen zu dienen. Leider wurde dieſem Wunſche nur noch eine verhältnismäßig kurze Erfüllung zuteil. Die in den nächſten Jahren beſonders aufreibende Tätigkeit ſowie das zunehmende Alter brachten Baerwald
*) Vgl. Seite 49, Anm.


