Ebenſo ſchreibt man jetzt nicht mehr oignon, Zwiebel, ſondern ognon, wie in encognure, wohl aber hört man oi in soigner, Lamoignon. Magnifique, digne lauten alſo: ma-gni-fi-que, di-gne.
Obige Bezeichnung des geſchleiften L⸗Lautes entſpricht ganz der Ausſprache der Nordfranzoſen, ſowie eines Jeden, der zwanglos und ſchulgerecht zu ſprechen ſich beſtrebt; der Belgier ſpricht bekanntlich ganz ungeſchleift famile, campane. In den nördlichen Departements lautet fusiller ganz wie fusilier, houillène, wie in dem Eigennamen Deshoulières(der ſicherlich von houille herſtammt); ein Pariſer iſt aber geneigt, soulier wie souié auszuſprechen; in vielen Provinzen lautet meilleur wie mélieur, in Paris wie méieur. Das l von ill ganz ſchwinden zu laſſen, iſt eben
pariſiſch und gilt in den meiſten Provinzen als lächerliche Affectation ¹).
In Betreff der Endungen ail, eil, euil, wie bei travail, réveil, recueil, iſt nichts Neues zu lernen, ſie klingen nur etwas kürzer als travaille, réveille, recueille.
Anmerk. Ville und village(v. lat. villa), ſowie tranquille(v. tranquillus) moulliren nicht; desgleichen mille und myrtille. 4) D und t ſind im Anlaute den entſprechenden deutſchen Lauten gleich: Dater, tarder, donna, tonnant. Weiter unten wird man ſehen, daß t, ſowie auch im Deutſchen, einen iſchlaut darſtellen kann. Der ſcharfe S⸗Laut, wie in Roß, wiſſen wird im Franzöſiſchen dargeſtellt durch;
s anlautend: Beiſp. Son, souper, sa scœur, ses pensées persévérer;
s auslautend, beſonders am Ende der Fremdnamen auf as, ès, is, os, us, als Pallas, Xerxès, Damas, Cambacérès, Pagès, Ibis, Lesbos, Romulus, Mars, Atlas, auch in Arras, Fräjus, Reims, Genlis, Sens, Senlis, Mons..
s vor und nach härteren Conſonanten. Beiſp. rester, aspirer, ours, spectacle, estime, ministre, lorsque, presque, puisque, plusqueparfait, lors même que;
s nach den Vorſylben re(nicht ré) und anti, wie in resaucer, resemer, antisocial; ferner in préséance, présupposer, désuétude, parasol, tournesol, monosyllable, vraisemblable, polysyllable, cosinus, parasélène, entresol, contresigner, wo der Anlaut der Stammſylbe die Schärfe in Anſpruch nimmt.
¹) Malvin-Cazal, den Herr Diez häufig anführt, iſt anderer Anficht und hilft ſich damit, daß er eine arti⸗ culation mouillée faible und eine encore plus faible dans la conversation annimmt. Wenn nun Madame Dupuis ſagt, die entgegenſtehenden Anſichten kämen vom Süden, ſo ergibt ſich, daß die Rebellen gegen den Pariſer Areopag
im Norden und im Süden ſtehen. Nun ſind aber jene Beiden nebſt dem in Hamburg lebenden Herrn Lesaint faſt
die einzigen Autoritäten, auf welche ſich ſeit Jahren deutſche Grammatiker in dieſer Beziehung berufen. Ein Blick
in das Bolksleben, welches häuſig in deutſchen Zeitſchriften treffend geſchildert wurde, dürfte jedoch einem Unbe⸗ fangenen genügen, um zu erkennen, mit welcher zähen Eiferſucht die Provinzen auf ihre urnationalen Traditionen, ihre Trachten, Gebräuche und ſomit auf ihre Sprechweiſe halten, wie mau jetzt noch hören kann: Je ne suis pas
Frangais, je suis de Marseille. Auch kann man im Norden wie im Süden täglich von Gebildeten vernehmen;
ous ne nous laissons pas centraliser. Ja, Herr Lesaint hat die Karte verrathen, indem er in folgender Aeuße⸗ rung den moraliſchen Zwang, den die Pariſer Centraliſatoren quand même auszuüben ſuchen, förmlich blos legt:
Gette prononciation'est la seule qui soit adoptée dans tous les ouvrages autorisés par le Conseil
de l'Instruction pablique. Nuns contre la fonce il n'y a pas de résistance. Mag allerdings der durch
die Eiſenbahnen erleichterte Verkehr mehr Franzoſen nach Paris bringen, als früher; mögen auch beſonders junge
Leute, die in der Hauptſtadt ihr Glück ſuchen, in der Aneignung der Pariſer Sprache ein Empfehlungsſchreiben
finden, ſo bleibt doch der Ausſpruch des alten Mozin auch in unſern Tagen in ſeiner ganzen Geltung: U faut
Sviter l'accent provincial, mais aussi l'accent parisien.


