„ Naſilirende Laute.
Aus der naſilirenden Verſchmelzung eines einfachen oder Doppellautes mit m oder n entſtehen die der franzöſiſchen Sprache eigenthümlichen ſogenannten Naſenlaute. Folgendes mag dieſelben annähernd bezeichnen.
In dem deutſchen Worte Klang findet man den in folgenden Wörtern vorkommenden a-Naſenlaut:
an, banc, enfant, ennui, rang, sang, temps, Caen, faon, Laon, patient, science, quo- tient, jedoch mit dem Unterſchiede, daß der deutſche Laut gedrängter iſt und conſonan⸗ tiſch ausgeht, da hingegen der franzöſiſche gedehnter iſt und vocaliſch bleibt ¹). Den J⸗Naſenlaut findet man in der Sylbe eng, wenn man dieſelbe ausſpricht, ohne die Kehle zu ſchließen, ſo: fin, pain, sein, bien, lien, sien, tient, vient, Benjamin, lycéen, Mentor.
Auf dieſelbe Weiſe findet man in dem Worte blond bei dem gleichen Verfahren den O⸗Naſenlaut für die Wörter: bon, son, long, Saône, tombe, taon.
Für den Oe⸗Naſenlaut nehme man die erſte Sylbe von Oenkelchen und ſpreche nach obiger Anweiſung l'un, humble, jeün, importun.
Endlich kann der ſcheinbar aus der Verſchmelzung des Doppellautes oi mit m oder n
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entſtehende Naſenlaut mit Lin bezeichnet werden: loin, soin, moins, besoin, point, marsouin. Hierbei hüte man ſich vor der walloniſchen Ausſprache, welche Tan lautet.
Kommt zu einem dieſer Laute ein Vocal, welcher mit dem n zu einer Sylbe zuſammen⸗ tritt, ſo wird das Naſiliren aufgelöſt, was immer geſchieht, wenn in vor einen Vocal kommt; desgleichen bei verdoppelten Conſonanten, z. B. cou-si-ne, voi-si-ne, au-cu-ne, vi-naigre, An- toi-nette, Ma-cé-doi-ne, i-ni-tier, in-nom-bra-ble, im-mu-a- ble, in-oc-cu-pé.
Anmerk. Emm nafilirt in emmener, emmaillotter, aber nicht in femme, wo man a hört und gemme, wo
man è hört; desgleichen in ennui, ennoblir, aber nicht in ennemi, décennal, triennal; in damner und con- damner, solennel, hennir, hört man nur a.
Von dem Hauche oder der Aſpiration.
Der im Deutſchen ſtark ausgedrückte durch h bezeichnete Hauch im Anlaute(spiritus asper) iſt den jetzigen Franzoſen, ſowie den Neugriechen, ganz fremd, und höchſtens noch in der Schweiz zu hören. Eine nicht unbedeutende Anzahl von Wörtern führt zwar noch dieſes Zeichen; es iſt aber(spiritus lenis), wenigſtens in Bezug auf die Umgangsſprache und Proſa über⸗ haupt, gleich Rull. Auf den Pariſer Bühnen, wo ein oft übermäßiger Pathos herrſcht, hört man zwar in Wörtern wie héros, hardiesse, etwas, das dem Hauche nahe kommt; hinſichtlich ſolcher, conventionell als gehaucht geltender Wörter, iſt jedoch nur zu bemerken, daß ſie grammatiſch
1) Es läßt ſich übrigens nicht läugnen, daß beſonders der Gascogner, dem das Cadenzirte des Italieniſcheu einigermaßen eigen iſt, einen leiſen conſonantiſchen Auslaut hören läßt. Dafür ſpricht auch die alte Orthographie von besoing u. a. m. Da feruer die meiſten réfugiés, welche ihre Sprache in Deutſchland verbreiteten, aus dem
Süden kamen, ſo kann hierin der Grund zu der in Norddeutſchland herrſchenden Ausſprache(ang, eng, ong) geſucht werden. 4


