Aufsatz 
Über Schillers dramatische Fragmente
Entstehung
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die antike Form getheilt. Doch hatte der Dichter mit ihnen ſchon das Höchſte geleiſtet, was in dieſer Richtung zu erreichen war. Daher iſt es erklärlich, wenn er nun das Streben aufgab, das moderne Drama durch antike Hilfsmittel zu fördern. Die Kunſtform war ihm nun nicht mehr das Wichtigſte, die Bedeutung des Inhaltes trat an ihre Stelle. Der Freiheitsſtoff, der ſich ihm im Wilhelm Tell bot, entzündete ihn gewaltig und nahm nun ſeine ganze Thätigkeit in Anſpruch.

Das Schauſpiel blieb ſo unausgeführt und nur ein Fragment der erſten Szene fand ſich ausgearbeitet im Nachlaſſe vor, die der Dichter ſchon im Som⸗ mer 1801 bei Körner in Dresden vorgeleſen hatte. Dieſer ſtellte dann aus Schillers Papieren, nicht ohne Schwierigkeit, da ſich des Dichters Ideen oft geändert hatten, den Plan mit Schillers eigenen Worten zuſammen, wie er zuerſt 1815 im 12. Bande derſämmtlichen Werke erſchienen iſt. ¹)

Die Fabel des Stückes iſt folgende: Malta iſt von der ganzen Macht Solimans belagert, welcher dem Orden den Untergang geſchworen hat. Die Flotte der Türken liegt vor den beiden Seehäfen der Inſel. Das Fort St. Elmo iſt von den Türken ſogar zu Lande angegriffen und ſchon große Vortheile haben ſie darüber gewonnen. Alles kommt darauf an, daſs die Ritter dieſes Fort halten; die Vertheidigungsmittel ſind gut, Entſatz iſt von Sizilien aus in naher Ausſicht. Doch die Gefahr wächſt ſtündlich und nur durch einen opferbereiten Sinn, durch jenen Geiſt, der den Orden und ſeine Gelübde geſchaffen hat, iſt da ein Sieg zu hoffen. Aber dieſer reine Ordensgeiſt, der in dieſem Augenblicke ſo nothwendig iſt, fehlt: die Ritter ſind verweltlicht, unter Laſtern und Üppigkeit haben ſie ihre Tapferkeit, ihren Gehorſam verlernt. Die Ritterſchar, welche St. Elmo vertheidigt, bittet den Großmeiſter ſich an einen haltbaren Ort zu⸗ rückziehen zu dürfen. La Valette, der Großmeiſter zu Malta, erkennt die ganze Bedeutung des Moments, er fühlt, daſs von ihm aus ſich ein neuer Geiſt über den Orden ergießen müße. Aber er ſelbſt iſt in ſich nicht einig. Väterliche Sorge um ſeinen Sohn St. Prieſt, der unter den Rittern von St. Elmo iſt, lähmt ſeine Maßregeln und erſt eine Empörung jener Schar gibt ihn ſich ſelbſt zurück. Er beſchließt, durch ein großes Beiſpiel den Orden in ſeiner erſten Reinheit herzuſtellen und gleichſam neu zu erſchaffen. Er fordert die Alteſten und Jüngſten der übrigen Ritter auf, die Beſatzung von St. Elmo abzulöſen und ſelbſt die Vertheidigung dieſes Forts zu übernehmen. Da naht ſich St. Prieſt, dem wie allen übrigen Malteſern ſein Verhältnis zu La Valette unbekannt iſt, und erklärt, er wolle mit dem Großmeiſter auf St. Elmo ausharren. Gerührt über dieſen Edelmuth gibt ſich der Großmeiſter als Vater des St. Prieſt zu erkennen, beide wollen vereint in den Kampf gehen. Kaum hat ſich die Kunde von dem Geſchehenen verbreitet, als die aufrühreriſchen Ritter beſchämt zum Gehorſam zurückkehren. Eine tiefe Reue, eine feurige Begeiſterung erfaſst ſie, die Zwietracht ſchmilzt in die herrlichſte Eintracht um. Sie bitten den Großmeiſter inſtändigſt, ſich dem Orden zu erhalten und dieſer willigt, wenngleich mit Wider⸗ ſtreben endlich ein. St. Prieſt geht mit den Rittern nach St. Elmo zurück. Das Fort wird von den Türken erſtürmt, aber ihr Sieg wird durch die Tapfer⸗

¹) K. Gödeke in Schillers ſämmtl. Werken. XII. p. IV.