Aufsatz 
Über Schillers dramatische Fragmente
Entstehung
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keit der Ritter zu einer moraliſchen Niederlage. Auch St. Prieſt iſt gefallen, der Großmeiſter aber erhebt ſich über den Verluſt, indem er in allen Rittern ſeine Söhne ſieht und die Kraft des Ordens nun als unbedingt und unendlich erkennt.

Daſs die Malteſer nicht vollendet wurden, ſagt Gervinus, ¹) iſt unſtreitig am meiſten zu bedauern. Auch dieſer Gegenſtand würde ſich zu der Jungfrau und zu Tell gereiht haben, als eine Nothwehr gegen ein koloſſales Bedrängnis. Der Dichter war hier ganz in ſeinem Elemente, er hatte keine Weibergeſchichten dabei, das ganze Stück würde von Waffen wiederhallt haben, der Boden, die Begebenheit, der Orden, der Chor, alles hätte ihn mehr berechtigt, ſeiner ge⸗ hobenen Darſtellungsweiſe nachzuhängen. Dieſe Tragödie wäre nach der Art des Aſchylus geweſen, ſie hätte an Erhabenheit alle übrigen überragt. Insbeſondere hätte die Szene einen großen Eindruck gemacht, in welcher La Valette und ſein Sohn vereint in den Tod zu gehen erklären und durch ihren Heldenſinn auch die übrigen Ritter zu gleichem Entſchluſſe vermögen. Ebenſo großartig wäre die letzte Szene, in welcher der Leichnam des St. Prieſt auf die Bühne gebracht wird, der Großmeiſter die hohe Beſtimmung ſeines Sohnes preist und die Kraft des Ordens als eine unüberwindliche glorifziert.

Die überlegene Macht der Türken hätte hier die Stelle des Schickſals übernommen und ſie wäre um ſo furchtbarer erſchienen, als man ſie nicht un⸗ mittelbar vor Augen hat, ſondern nur aus den Berichten derjenigen kennen lernt, die von ihr vorzüglich bedroht ſind. Es iſt ſo eine doppelte Handlung, eine auf und eine zweite hinter der Szene, die mit einander in Wechſelwirkung ſtehen. Dabei iſt der Plan ganz einfach und natürlich, wodurch ſich der Ent⸗ wurf dieſes Stückes zu ſeinem Vortheil von der Braut von Meſſina unter⸗ ſcheidet. ²)

Auch der Chor wäre hier in einer anderen Stellung erſchienen als in der eben genannten Tragödie. Dort iſt er nicht die Vertretung der objektiven ethiſchen Idee, ſondern ſteht ſofort in den Schranken des ſubjektiven Partiku⸗ larismus. Er iſt Partei von Anbeginn und theilt ſich in Parteien, in Gefolg⸗ ſchaften der Brüder. Hier aber vertritt er den reinen, guten Geiſt des Ordens; er iſt begeiſtert durch alles, was den Menſchen erhebt, Pflichtgefühl, Ritter⸗ geiſt, Religion.

Die Kinder des Hauſes.

(Pariſer Polizei.)

Der Plan zu den Kindern des Hauſes iſt entweder die Beſchränkung eines umfaſſenderen Entwurfsdie Pariſer Polizei, oder die Grundlage des⸗ ſelben. Dieſer Stoff, mehr kriminaliſtiſchen als tragiſchen Charakters, ſcheint aus älterer Zeit zu ſtammen, die Ausbildung desſelben in der uns vorliegenden Form fällt aber zuverläſſig in die letzte Zeit von Schillers Leben. Dies erhellt ſchon daraus, daſs er am 24. Jänner 1805 in ſeinen Notizkalender ſchrieb: Heute an die Kinder des Hauſes gegangen. ³) Ueberdies bildet ja dieſer Ent⸗ wurf mit Warbeck und Demetrius offenbar einen Kreis und Schiller ſchwankte

¹) Nat. Literatur 2. Aufl. V. 569. ²) Hoffmeiſter IV. 124. ³) Daſ. V. 292.