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dramatiſch zu bearbeiten. In der Belagerung Maltas, während innerer Empö⸗ rung, glaubte er einen Stoff gefunden zu haben, der griechiſcher Manier fähig ſei und den er in keiner andern auszuführen entſchloſſen war. Dabei wollte er auch den antiken Chor auf die deutſche Bühne bringen. Lange Zeit trug er ſich mit dieſem Gegenſtande und erwähnte ſeit 1793 oft der Johanniter, der Mal⸗ teſer. Am 8. Dezember 1797 ſchreibt er an Göthe über Wallenſtein und die Malteſer: ¹)„Es iſt etwas ſehr Anziehendes für mich in ſolchen Stoffen, welche ſich von ſelbſt iſolieren und eine Welt für ſich ausmachen. Ich habe dieſen Umſtand im Wallenſtein ſehr benützt und in den Malteſern wird er mich noch mehr begünſtigen. Nicht nur, daſs dieſer Orden wirklich ein Individuum ganz sui generis iſt, ſo iſt er es im Moment der dramatiſchen Handlung noch mehr. Alle Kommunikazion mit der übrigen Welt iſt durch die Blokade abgeſchnitten, er iſt bloß auf ſich ſelbſt, auf die Sorge für ſeine Exiſtenz konzentriert, und nur die Eigenſchaften, die ihn zu dem Orden machen, der er iſt, können in dieſem Moment ſeine Erhaltung bewirken.“
So organiſierte ſich allmählich das Schauſpiel, doch immer traten andere Pläne und Arbeiten dazwiſchen.(1794.) Aber auch ein innerer Grund ſprach für die Verſchiebung des Planes.„Damals in dem Momente, wo Schiller von der Philoſophie zur Poeſie zurücktreten wollte, ſtand ſein Geiſt noch ganz und gar nicht in dem gehörigen Verhältnis zum Drama überhaupt. Das Schau⸗ ſpiel, er mochte es ſo lyriſch halten, als er wollte, war immer ein ungeeigne⸗ tes Organ für die Ideenmaſſe, die ſich in ihm abgelagert hatte. Er mußte erſt durch ideelle, didaktiſche, epigrammatiſche Lyrik und die enienrichtung hin⸗ durchgegangen ſein, ehe er, von ſeiner philoſophiſchen Bürde entladen, mit freierm, reinerm Auge und feſterm Schritte beim Drama anlangte.“ ²)
So wurde der Plan immer wieder verſchoben, gleich dem zum Wallen⸗ ſtein. In dieſem Zeitpunkte der Muthloſigkeit ſuchte Schiller Rath bei ſeinen Freunden. Nur Göthe gieng er darum nicht an, denn von dieſem mochte der Satz gelten, den Schiller einſt an Humboldt geſchrieben:„Der Realiſt kann gegen den Idealiſten niemals gerecht ſein, weil er ihn niemals begreifen kann.“ Humboldt war es, dem er ſich beſonders anvertraute und dem er erklärte, daſs Poeſie jedenfalls ſein Geſchäft ſein werde, nur wiſſe er nicht, ob dramatiſche oder epiſche. Zwar wünſche er ſehr ungeduldig, die Malteſer zu vollenden, aber er würde auch gern den langgehegten Wunſch erfüllen, ſich in einer neuen Gattung zu verſuchen, in einer romantiſchen Erzählung in Verſen. Auf die⸗ ſem Wege ſcheine ihm der Kranz zu liegen, welcher für ihn zu erringen ſei. 3)
Dagegen ſucht ihm Humboldt einleuchtend zu machen, daſs ſeine Beſtim⸗ mung offenbar die Tragödie ſei, welche den Menſchen im Kampfe mit dem Schickſale darſtelle und die Löſung durch das Erhabene fordere. Die Charak⸗ tertragödien würden ihm freilich große Schwierigkeiten bereiten und er möge ſich deshalb auf die einfache und heroiſche Gattung beſchränken. Die Malteſer erhielten von Humboldt den Vorzug vor Wallenſtein, obgleich dieſer bei weitem größer und tragiſcher ſei.
7 Drieſwechſel II. 353.f.—*) Hoffmeiſeer III. 290,—* Schiller und chs en. S. 4 r⸗ Heſlnaes 29— Bujeſdeſer 3


