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ſchönen Natur widerſtreben. Sie hat nur Sinn für das Glück des Herzens und wagt es noch nicht, ihre Hoffnung zu dem Geliebten zu erheben, der eine einfluſsreiche Königstochter heiraten ſoll. Und als ihr Warbeck öffentlich ſeine Liebe erklärt hatte, da kommt ſie ihm mit dem vollſten Vertrauen entgegen: ſie ſelbſt ſchlägt ihm, da die Herzogin ihr verboten, an ihn zu denken, die Entführung vor und macht ſich Vorwürfe, als Warbeck im qualvollen Bewuſstſein ſeiner Betrügerei ſie in Verzweiflung ohne Antwort verläſst. Doch die Stunde des Glückes ſchlägt auch für ſie, ſie darf dem Geliebten angehören.
Dieſer Entwurf iſt leider nicht zur Ausführung gebracht worden. Hiezu mag wohl die Reiſe nach Dresden beigetragen haben und der vertraute Verkehr mit den dortigen Freunden. Als Schiller dann nach Hauſe zurückgekehrt war, gefiel ihm das Stück noch weniger als früher, denn es lag nicht in der dra⸗ matiſchen Richtung, in welcher der Dichter begriffen war. Seit dem Wal⸗ lenſtein war es ſein Beſtreben geweſen, das Fatum in die neuere Tragödie einzuführen, und ehe er dieſes Gebiet ganz verließ, war es für ihn geboten, auch noch ein reines antikes Stück zu ſchreiben und dann erſt ſich zu dem reinen modernen Drama, zur obiektiv⸗hiſtoriſchen Gattung zu wenden. ¹) Der Warbeck dagegen wäre doch eigentlich ganz im neuern dramatiſchen Genre ge⸗ halten, das Problem wäre der Konflikt mit gegebenen geſellſchaftlichen Formen geweſen und nur die pſychologiſchen Räthſel und Seelenzerwürfniſſe des Helden hätten an etwas Verhängnisvolles erinnert.
So zog ihn denn ein anderer Stoff an und von dieſem, der Braut von Meſſina, ſchreibt er am 10. März 1802 von Weimar an Göthe: ²)„Ein mächtigeres Intereſſe als der Warbeck hat mich ſchon ſeit ſechs Wochen be⸗ ſchäftigt und mit einer Kraft und Innigkeit angezogen, wie es mir lange nicht begegnet iſt. Noch iſt zwar bloß der Moment der Hoffnung und der dunkeln Ahnung, aber er iſt fruchtbar und viel verſprechend, und ich weiß, daſs ich mich auf dem rechten Weg befinde.“ Warbeck trat ganz in den Hintergrund und erſt im Jahre 1804, nach ſeiner Rückkunft aus Berlin, kehrte er auf kurze Zeit zu dem alten Entwurfe zurück. Am 12. Juli ſchrieb er in ſein Notizbuch: ³) „Zur Prinzeſſin von Brüſſel mich entſchloſſen,“ doch die Ausführung unterblieb.
Die Malteſer.
„Der Orden der Johanniter lebt ſchon ſein 7. Jahrhundert und obgleich der politiſchen Schaubühne beinahe verſchwunden, ſteht er für den Philoſophen der Menſchheit für ewige Zeiten als eine merkwürdige Erſcheinung da.“ So ſchreibt Schiller im Jahre 1792 und preist mit begeiſterten Worten die Glau⸗ benshelden,„die unter dem Panier des Kreuzes der Menſchheit ſchwerſte und heiligſte Pflichten üben“; der mönchiſcheritterliche Staat derſelben bietet ihm eine ganz eigenthümliche Form der politiſchen Gemeinſamkeit. ¹)
Bei dieſer Bewunderung des Ordens iſt es erklärlich, daſs der Dichter bald auf den Gedanken verfiel, eine Epiſode aus der Geſchichte dieſer Helden
¹) Hoffmeiſter a. a. O. S. 59.— ²) Briefwechſel VI. 102.— ³) Hoffmeiſter V. 272.—*) In der Vorrede zu der Geſchichte des Malteſerordens ꝛc. Sämmtliche Werke XI. 228—232.


