Aufsatz 
Über Schillers dramatische Fragmente
Entstehung
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ſpiel wieder hervorzuſuchen, wovon ſchon vor drei Jahren Szenen fertig waren. Die Szenen misfielen mir; aber ich habe eine davon mit vielem Glück retou⸗ chiert. In der Thalia werdet Ihr ſie leſen, oder auch hier im Manuſkript. Dieſe umgearbeitete Szene iſt wahrſcheinlich das letzte Geſpräch zwiſchen Hutten und ſeiner Tochter Angelika im Park; wenigſtens bildete ſich die hier vorgetra⸗ gene Idee, daſs die äußere Welt dem Menſchen nur das gebe, was er vorher in ſie getragen, erſt ſpäter unter dem Einfluſſe des Kritizismus mit dieſer Strenge in Schiller aus. ¹)

Am 18. Okt. 1790 meldet der Dichter an Körner, daſs er vielleicht einige Szenen vom Menſchenfeinde im 12. Stücke der Thalia werde erſcheinen laſſen. Der Freund ſucht ihn davon abzubringen:Du verlierſt gewiſs wieder die Luſt an dieſem Werke, wie beim Carlos, wenn ein Theil davon gedruckt iſt. Ich habe noch immer große Erwartungen von dieſem Menſchenfeinde. ²) Und Körner hatte richtig geurtheilt. Schon am 26. Nov. 1790 ſchreibt Schiller ³): Das 11. Stück der Thalia wird nun wohl in Deinen Händen ſein, und die Bogen von dem Menſchenfeind. Hätte ich irgend noch den Gedanken gehabt, ihn auszuarbeiten, ſo wäre er nie in die Thalia eingerückt worden; aber dieſen Gedanken habe ich nach der reifſten kritiſchen Überlegung und nach wiederhol⸗ ten verunglückten Verſuchen aufgeben müßen. Für die tragiſche Behandlung iſt dieſe Art Menſchenhaſs viel zu allgemein und philoſophiſch. Ich würde einen äußerſt mühſeligen und fruchtloſen Kampf mit dem Stoffe zu kämpfen haben, und bei aller Anſtrengung doch verunglücken.

So gab alſo Schiller dieſen Stoff auf. Auch in ſeinem Nachlaſſe fanden ſich keine Aufſchlüſſe über den Plan, obwohl das Fragment in der Thalia am Schluſſe die Note enthält:Vielleicht dürfte die Geſchichte dieſes Menſchen⸗ feindes und dieſes ganze Charaktergemälde dem Publikum einmal in einer an⸗ deren Form vorgelegt werden, welche dieſem Gegenſtande günſtiger iſt, als die dramatiſche. Hiezu bemerkt Körner:)Die überſchrift in der Thalia: Der verſöhnte Menſchenfeind, gibt ſchon einigen Aufſchluſs über den Plan. Auch erinnert ſich der Herausgeber aus damaligen Unterredungen mit dem Verfaſſer, daſs Roſenberg nach einem hartnäckigen Widerſtande endlich ſiegen ſollte, und daſs die Erſcheinungen einiger Menſchenfeinde anderer Art beſtimmt waren, die⸗ ſen Erfolg zu begünſtigen.

Es iſt ſchwer, die Idee zu dieſem Drama in Zuſammenhang zu brin⸗ gen mit den anderen während dieſes Zeitraumes vollendeten Werken Schillers. Namentlich zu der Hauptperſon im Don Carlos ſteht der Menſchenfeind im grellſten Widerſpruche. Poſa führt ſich ſelbſt) dem Prinzen vor als einen Abgeordneten der ganzen Meenſchheit; die Freundſchaft allein genügt ihm nicht.Der Freundſchaft arme Flamme füllt eines Poſa Herz nicht aus. Das ſchlug der ganzen Menſchheit. Seine Neigung war die Welt mit allen kom⸗ menden Geſchlechtern. 6) Hier wie ſpäter in denphiloſophiſchen Briefen prägt ſich der große Gedanke aus, daſs der einzelne Menſch nur in der Liebe

*) K. Hoffmeiſter, Schillers Leben I. 285. ²) Briefwechſel zwiſchen Schiller und Körner II. 206 und 211. ³) Daſ. 211.*) Schillers Werke III. 290. Anm. * Akt 1, Sz. 2.*) Akt 5, Sz. 2.