Aufsatz 
Über Schillers dramatische Fragmente
Entstehung
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6 und verhärtet hatten, nicht von Haſs gegen die Menſchen im Allgemeinen, woran er nicht litt, endlich geheilt werden. Die uns vorliegenden Szenen ſtammen aus der Zeit des Aufenthaltes in Dresden(Ende des Sommers 1785 bis Juli 1787) und Schiller nahm ſich die Ausführung des Planes oftmals vor. So ſchreibt er am 12. September 1786 aus Dresden an Schröder: ¹)Ein anderes Stück, das ich ſchon Jahre lang im Kopf getragen, wird zu Anfang des nächſten Jahres fertig ſein. Es heißt: Der Menſchenfeind, hat aber mit dem Shakspeareſchen Timon keinen Berührungspunkt als den Namen. Ein neuer Charakter fällt hier auf, den nur derjenige Künſtler darſtellen wird, der den Lear und den Hamlet in Deutſchland erſchaffen hat. Wenn Sie wünſchen ſollten, eine Idee von dieſem Stücke zu haben, ſo werde ich Ihnen den erſten Akt davon ſchicken können, welcher in Ordnung gebracht iſt.

über die weiteren Schickſale dieſes Planes gibt uns der Briefwechſel mit Körner den beſten Aufſchluſs.) Am 26. Mai 1788 ſpricht Schiller die Hoff⸗ nung aus, im Laufe des Sommers ein Theaterſtück zu beenden; es war aber noch nicht entſchieden, ob dieſes der Menſchenfeind oder ein anderes ſein würde, das er, wie der Schwabe ſagt, an der Kunkel habe.

Am 12. Juni desſelben Jahres ſchreibt er: ³)Den Menſchenfeind hab' ich auch wieder in den Vordergrund gerückt, und hoffe ihn auf den Oktober geendigt zu haben.

Am 5. Juli:)Ich arbeite fleißig an dem Plane zum Menſchenfeind. Ich gedenke keine Feder mehr zu dieſem Stück anzuſetzen, bevor ich mit dem Plane in Richtigkeit bin. Hätte ich weniger zu thun, ich könnte glücklich ſein; doch fühle ich meinen Genius wieder, und mein Menſchenfeind, glaub ich, wird gut.

Am 27. Juli:)Huttens Geſchichte iſt noch nicht im Reinen: aber der erſte Plan hat wichtige Veränderungen erlitten.

Am 20. Aug.:)Meine Geſchichte hat viel Dichterkraft in mir ver⸗ verdorben, und dieſe Journalarbeiten ziehen mich zu ſehr auseinander. Die Zeiten ſind nicht mehr, wo ich auf ein einziges Objekt alle meine Kräfte zu⸗ ſammenhäufte. Ich fühle dieſe Veränderung lebhaft bei meinem Menſchen⸗ feinde; um ihn vorzunehmen, darf ich kein Nebengeſchäft haben; auch laſſe ich ihn jetzt wieder liegen.

Ich habe einige kleine Schritte darin vorwärts gethan, und wenn ich noch dreimal daran gehe und ihn dreimal wieder weglege, ſo qualifiziert ſich endlich das Stück zu einer gewiſſen Vollkommenheit. Eher ſchreibe ich keine Zeile an der Ausführung, bis ich mit dem Plane ganz und aufs genaueſte in Ordnung bin, und bis dieſer Plan alle meine Forderungen erfüllt.

Nun verſtummen für einige Zeit die Berichte über das begonnene Werk. Erſt am 14. Fehr. 1790 ſchreibt Schiller von Jena aus über dieſe dramatiſchen Szenen: 7)Da ich dieſe Zeit her alles Intereſſe an Arbeiten verloren, die nicht durch ſich ſelbſt es erzwingen, ſo bin ich darauf gefallen, ein altes Schau⸗

4) Hamburger Jahre zeiten 1853. Nr. 42. ²) I. 300. ²) Daſ. 30 *) Daſ. 319.) Daſ. 327.°) Daſ. 334.*) Lit. Nachlaß von Kar. 0ar. zogen I. 378.