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in den neueren Entwürfen. Enthält aber die Handlung des Stückes für die Hauptperſonen eine Wendung von Unglück zu Glück und für die Nebenfiguren von Glück zu Unglück, wie ſie in der Gräfin von Flandern eintritt, ſo prägt es ſich der Dichter ausdrücklich ein, dieſe Löſung erſt„nach den bänglichſten Proben und Verwicklungen“ eintreten zu laſſen. ¹)
Noch eine Bemerkung drängt ſich beim Studium der Entwürfe Schillers auf. Bei der Wahl des Stoffes hat, den Menſchenfeind ausgenommen, wohl nirgends der Charakter der Hauptperſon den Dichter allein beſtimmt, die Hand⸗ lung vielmehr wurde von ihm in die erſte Reihe geſtellt und die einzelnen Charaktere nur dieſer Handlung gemäß entfaltet. Dafür ſprechen gleich die erſten Zeilen aus den Ideen zur Herzogin von Zelle:„Aus dieſem Stoff kann eine Tragödie werden, wenn der Charakter der Prinzeſſin vollkommen rein erhalten wird und kein Liebesverſtändnis zwiſchen ihr und Königsmark ſtattfindet.“ ²) Darum beſtrebt ſich auch Schiller, dieſem ausgeſprochenen Grundſatze getreu, den Charakter der Hauptperſon dieſes Stückes ſo zu zeichnen, wie ihn die zur Richt⸗ ſchnur dienende Handlung erfordert. Die Charaktere ſind ihm alſo nicht das Wichtigſte, die Handlung übt auf ſie den größten Einfluſs aus.
Nach dieſen allgemeinen Erörterungen mögen nun die verichiedenen Ent⸗ würfe geſondert behandelt und gewürdigt werden.
Der Menſchenfeind.
Dieſes Fragment hat noch Schiller jelbſt veröffentlicht, u. z. erſchienen einige Szenen in der Thalia(1790, 14. Heft). Durch längere Zeit trug ſich der Dichter mit dieſem Plane. Schon in der Rede über die Wirkung der Bühne findet man eine darauf bezügliche Stelle: ³)„Unſere Schaubühne hat noch eine große Eroberung ausſtehen, von deren Wichtigkeit erſt der Erfolg ſprechen wird. Shakspeares Timon von Athen iſt, ſo weit ich mich beſinnen kann, noch auf keiner deutſchen Bühne erſchienen, und ſo gewiſs ich den Menſchen vor allem andern zuerſt in Shakspeare aufſuche, ſo gewiſs weiß ich im ganzen Shakspeare kein Stück, wo er wahrhaftiger vor mir ſtünde, wo er lauter und beredter zu meinem Herzen ſpräche, wo ich mehr Lebensweisheit lernte, als im Timon von Athen. Es iſt wahres Verdienſt um die Kunſt, dieſer Goldader nachzugraben.“ Die Grundzüge von Timons Charakter, die der große engliſche Dichter aus Plutarch (im Leben des Mare Anton) und aus Lucians Geſprächen geſchöpft hatte, ſind Eitelkeit, Lobgier, Mangel an Maß, ſowohl bei ſeiner unſinnigen Verſchwendung im Glück als bei den Ausbrüchen des Wahnſinns im Unglück. Seine Grabſchrift lautet:
„Hier lieg ich, Timon; da ich lebt', haßt' ich, was Leben hegt: geh, fluch von Herzen, aber mach, daſs fort dein Fuß dich trägt.“ (5. Aufz. 5. Szene.)
Ein ähnliches Schauſpiel wollte uns Schiller bringen. Der Held desſelben ſollte von ſeinem Haſſe gegen die Menſchen, die ſein liebendes Herz gekränkt Sric
Jleichen ⸗Rußwurm. S. 34.— ¹²) Daſ. S. 73.—*) Sägile ſan Nuice Scien Hiſt. krit. Ausgabe von K. Gödeke. III. 516.


