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für die weitere künſtleriſche Geſtaltung. Die Handlung ſelbſt iſt nur allgemein
und einfach vorgezeichnet, der Grundkonflikt, der leitende Gedanke ſteht feſt; die Fabel ſelbſt iſt gleichſam nur das Gefäß für die Menſchwerdung desſelben; er experimentiert hin und her, welche Form für dieſes Gefäß die geeignetſte ſei. Schiller geht vom Allgemeinen aus und geſtaltet danach den konkreten Fall. Daſs er demſelben dennoch ein ſpannendes Leben einzuhauchen verſteht, zeugt von der Energie ſeiner dramatiſchen Begabung. Einer naiven Kompoſi⸗ zionsweiſe, wie wir ſie z. B. bei Shakspeare vorausſetzen dürfen, iſt die Fabel des Dramas das erſte, das d o roy. Auf beiden Wegen kann man ein künſtleriſches Drama ſchaffen, doch iſt derjenige, den Schiller verfolgte, der un⸗ bequemere; es iſt der Weg eines philoſophiſch gebildeten Kopfes. ¹)
Demnach erfordert der Stoff des Dramatikers eine ganz andere Behand⸗ lung als der des Epikers. Dieſer ſoll das Vergangene erzählen, jener die Ge⸗ genwart an uns vorüber ziehen laſſen. Einſt und Jetzt bilden hier den großen Unterſchied. Auch der Epiker hat das äſthetiſche Grund⸗ geſetz, Einheit der Handlung zu beobachten, doch darf er einen weitern Spiel⸗ raum für ſeine Darſtellung benützen. Der„lebhafte Stoß“, den der Drama⸗ tiker gleich anfangs in ſeine Geſchichte hineinbringen ſoll, iſt beim Epiker nicht ſogleich erforderlich; er kann beim Beginne weiter ausholen, kann vorgreifen, kann da kürzer, dort länger verweilen. Er drängt uns nicht ungeduldig zu einem Ziele, ſondern läſst uns mit Liebe bei jedem ſeiner Schritte verweilen. Sein Zweck liegt, wie Schiller ſelbſt ſagt, in jedem Punkte ſeiner Bewegung.
Den Dramatiker dagegen beherrſcht die vorbeiziehende Gegenwart; die Handlung darf von ihm nie als vergangen vorgeführt werden, ſie muß im Ganzen und Einzelnen erſt vor dem Zuſchauer ſich entwickeln. Daſs Schiller dieſes Grundgeſetz der dramatiſchen Dichtung bei ſeinen Arbeiten vollkommen beachtet hat, zeigt der Umſtand, daſs er in ſeinen Entwürfen ſich nichts als vergangen vor die Augen ſtellt und als ſolches erzählt, daſs er vielmehr mit dem Hauptmotive ſogleich in die Mitte des gegenwärtigen Geſchehens tritt und von demſelben alle übrigen Zeitverhältniſſe abhängig macht. Während die vorzüglichſte Aufmerkſamkeit des Dichters ſich immer und überall auf die Kataſtrophe richtet, erfreuen ſich die einzelnen Theile der Handlung nur einer ſolchen Beachtung, wie ſie das Verhältnis zu der erſten zuläſst. Alle bewegen⸗ den Kräfte ſollen auf einen einzigen Punkt hindrücken und auf dieſen das Intereſſe konzentrieren. So erklärt ſich das raſche und direkte Fortſchreiten der
Handlung und die Spannung, in welche man gleich durch die erſten Zeilen
der Entwürfe geräth. Auch berückſichtigte Schiller ſchon im Entwurfe alles das, was ihm für die ſzeniſche Darſtellung maßgebend ſchien. So finden wir mehr⸗ mals bei den Perſonen die Namen der Schauſpieler ſtehen, denen Schiller die Rollen für die Bühne zugedacht hatte.
Die Handlung ſoll endlich, wie ſich in den ausgeführteren Entwürfen erkennen läſst, eine tragiſche ſein und darum war Schiller beſtrebt, die einfache Handlung ſchon ſo hinzuſtellen, daſs auch ſie allein die tragiſchen Affekte hin⸗ länglich erregen und begründen könne. Darauf beziehen ſich mehrere Erwägungen
*) Rud. Gottſchal in den Blättern für lit. Unterhaltung. 1868. S. 306.


