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Erlebniſſe und Eindrücke ſeiner Jugendzeit wurden entſcheidend für ſeine ganze Lebensanſchauung: hier wurzelte ſeine Liebe zum Judenthum, deſſen unvergänglicher ethiſcher Inhalt ihm Quelle und Antrieb edlen Wollens und Vollbringens wurde und der in der Form der Spruchweisheit, in welcher er in dem jüdiſchen Schriftthum auftritt, ihm durch ſein ganzes Leben ein reicher Schatz blieb, aus dem ſein treues Gedächtniß das gemüthvolle, belehrende Geſpräch gern und oft belebte: hier wurzelte ſeine reine Menſchenliebe, der nationale und confeſſionelle Unterſchiede völlig fremd blieben— denn Leſſing, deſſen Nathan ſein Lieblingsbuch war, war ihm nicht minder Lehrer und Prophet wie Jeſajas—: hier ſein Haß gegen Unduldſamkeit und die Begeiſterung, mit der er ſein Lebelang jeden Sieg des Humanitätsprincips, wo immer er zum Durchbruch kam, jeden Fort⸗ ſchritt der Wiſſenſchaft begrüßte.
Früh ſchon begann er ſeine kaufmänniſche Laufbahn und Niemand wird annehmen, daß die Begründung, das Emporbringen und Erhalten eines ſo weithin geachteten Hauſes ohne raſtloſe Arbeit, ohne eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Begabung möglich wäre— aber ſeine Lebensthätigkeit erſchöpfte ſich keineswegs in den kaufmänniſchen Geſchäften. Er liebte es einen Kreis wiſſenſchaftlicher, idealen Beſtrebungen zugewandter Männer in ſeinem Hauſe zu verſammeln und niemals wohl hat er auf ſeinen Reiſen an einem Orte länger geweilt, ohne die Bekanntſchaft eines dort wohnenden Mannes der Biſſenſchaft geſucht zu haben, ſei es zu belehrendem Gedankenaustauſch oder um die Wiſſenſchaft in ihrem Vertreter zu ehren.
Angeboren war ihm die Neigung zur Wohlthätigkeit. Niemand hat ſo bereitwillig und mit ſo anmuthender Freundlichkeit gegeben wie er. Gern vor Allem diente er ſeiner Vaterſtadt, die er von Herzen liebte; es giebt hier— wenn man von Veranſtaltungen abſieht, die tendenziöſen con⸗ feſſionellen Zwecken dienen— kaum eine wohlthätige Anſtalt, die er nicht reichlich bedacht hätte; manche ſind durch ſeine hochherzige Betheiligung erſt lebensfähig geworden. Insbeſondere zählten der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den israelitiſchen Glaubensgenoſſen und die Waiſen⸗ erziehungsanſtalt des israelitiſchen Frauen⸗Vereins ihn zu ihren freigebigſten Gönnern. Keine An⸗ ſtalt ſtand ihm aber näher als unſere Schule. Er ſelbſt war in den Jahren 1809 und 1810 ihr Schüler und führte ihr nach einander faſt alle ſeine Söhne zu. Wie er ſelbſt in dem Jahre 1840 und 1841, ſo war ſpäter ſein Sohn, Herr Leopold B. H. Goldſchmidt, jetzt in Paris, Mitglied des Schul⸗ raths Aber nicht dieſe Beziehungen allein begründeten ſeine Zuneigung, es war daneben auch der Autheil, den er dieſer Schule an dem Aufblühen, an der Bildung und dem Wohlſtande der hieſigen jüdiſchen Gemeinde zuſchrieb, es war die ſtolze Meinung, daß ſeine Gemeinde es allen andern in Bezug auf Schulen zuvorthun müſſe, die ſeinen Eifer wach erhielten. So war er denn als Mitglied der Gemeindebehörden ihr eifrigſter Fürſprecher: für Schulen— das war ſein Grundſatz— könne eine Gemeinde nie zu viel thun. Und er ſelbſt war immer geneigt perſönlich ihr jedes Opfer zu bringen. Als ſein älteſter Sohn im Jahre 1838 die Schule verließ, legte er, um den Lehrern ſeine Dankbarkeit zu beweiſen, den Grund zu unſerer Wittwen⸗ und Waiſenkaſſe, die unter dem Namen Creizenachſtiftung ein Segen für unſere Schule geworden iſt, deren Verwaltung er bis zu ſeinem Tode angehörte, die er bei jeder ſich darbietenden Gelegenheit und auch noch in ſeinem Teſtamente reichlich bedacht hat. Er hat ſich dadurch ein großes Verdienſt um unſere Schule erworben, in welcher ihm für die Dauer das ehrenvollſte, dankbarſte Andenken geſichert bleibt.
Im Jahre 1858 gründete er mit einem Grundkapital von fünfzigtauſend Gulden die ſeinen
Namen tragende Stipendienſtiftung, welche„die Unterſtützung befähigter und würdiger junger Leute jüdiſcher Religion zur Vorbereitung und Ausbildung für einen wiſſeenſchaftlichen oder techniſchen


