III.
B. H. Goldſchmidt und ſeine Stiftungen.
Seit dem Jahre 1857 wird an dieſer Stelle regelmäßig über die Wirkſamkeit der B. H. Goldſchmidt'ſchen Stipendienſtiftung Bericht erſtattet; diesmal geſchieht es mit einem Gefühle tiefer Wehmuth. Denn der Mann, der dieſe Stiftung in's Leben gerufen, ſie mit beſonderer Vorliebe gepflegt, ihrer Wirkſamkeit vor Allen ſich gefreut hat, iſt nicht mehr: Herr B. H. Goldſchmidt iſt am 6. Juni 1873 zu Paris geſtorben und am 11. Juni hier in Frankfurt zur Ruhe beſtattet worden. In mehr als einem Sinne war er der Schule verbunden, von welcher dieſe Blätter ausgehen, und wir üben eine Pflicht und ein Vorrecht zugleich, wenn wir ſein Andenken hier feſthalten.
Benedict Hayum Goldſchmidt war hier zu Frankfurt am 23. April 1798 geboren. Seine früheſten Jugenderinnerungen hafteten an der Zeit, da die Juden hier noch unter dem entehrenden Druck der Stättigkeit von 1616 lebten. Aber ſchon der Knabe ſah das Herannahen beſſerer Zeiten; niemals iſt ihm der Tag aus der Erinnerung entſchwunden, an welchem— bald nach dem Re⸗ gierungsantritt des Fürſten Primas, am 30. September 1806— öffentlich verkündigt wurde, daß der Frankfurter Judenſchaft die Promenaden auf dem Glacis und in der Stadt offen ſtänden; er war der Vorbote einer neuen Epoche, der Beginn der Emancipation der Juden.
Auch an ſeinem eigenen Bildungsgange vollzog ſich ein ähnlicher, raſcher Uebergang. Ganz nach der Weiſe altjüdiſcher Erziehung bildeten Bibel und Talmud die einzigen Quellen, aus denen er in früheſter Jugend die erſte geiſtige Nahrung ſchöpfte. Bald aber, als unter dem Einfluſſe der befreienden Gedanken und Thaten unſerer großen Literaturepoche und der franzöſiſchen Revolution unſer Erziehungsweſen die folgenreichſten Wandlungen erfuhr, ſprengte er die Feſſeln, trat er, ſo zu ſagen, aus dem Ghetto hinaus in die ſonnige Welt, aus der ſpecifiſch⸗jüdiſchen Beſchränkung in die große menſchliche Gemeinſchaft.
Niemals hat eine Generation einen jäheren Umſchwung aller Verhältniſſe erlebt, als die Juden im Anfang unſeres Jahrhunderts, zumal in dieſen rheiniſchen Gegenden. Bevorzugten Naturen iſt er ſehr wohl zu Statten gekommen, ſie haben ſich mit aller Unmittelbarkeit des Selbſterlebten an der Gedankenwelt zweier ganz heterogener Culturepochen bereichert.— B. H. Goldſchmidt verband mit einem lebhaften, empfänglichen Geiſte ein weiches Gemüth, ein warmes Herz; die wechſelvollen


