Aufsatz 
B. H. Goldschmidt und seine Stiftungen
Entstehung
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Lebenslauf, zu welcher der Beſuch einer Univerſität, eines Seminars oder einer höheren techniſchen oder landwirthſchaftlichen Lehranſtalt erforderlich iſt zur Aufgabe hat. Wenn er die Stipendien ausſchließlich für Israeliten beſtimmte, ſo hat das nicht etwa in einer excluſiven Geſinnung, die ihm ja durchaus fremd war, ſondern lediglich darin ſeinen Grund, daß jüdiſche Studirende notoriſch von den Beneſicien faſt aller derartigen Stiftungen ausgeſchloſſen ſind. B. H. Goldſchmidt war unſeres Wiſſens hier der Erſte, der bei Lebzeiten eine Stiftung mit reicher Ausſtattung in Wirk⸗ ſamkeit ſetzte, die Verwaltung Anderen überließ und für ſich nur die Funktionen eines einfacheu Verwaltungsmitgliedes in Anſpruch nahm. Mit Genugthuung durfte er wahrnehmen, wie ſein Bei⸗ ſpiel hier Nachahmung fand, indem, wie bekannt, in den letzten Jahren zwei, ähnliche Zwecke ver⸗ folgende Stiftungen mit ſehr bedeutenden Mitteln errichtet worden ſind. Er war ein edler Mann.

Denen, die ihn kannten, bleibt er unvergeßlich. An ſeinen Namen knüpft ſich dauernder Segen für kommende Geſchlechter.

Zum ehrenden Andenken ſeines Vaters hat unmittelbar nach deſſen Tode Herr Leopold B. H. Goldſchmidt in Paris die Summe von dreißigtauſend Gulden für milde Zwecke beſtimmt. Er hat dieſe Summe in gleichen Hälften den beiden, oben erwähnten Stiftungen ſeines Vaters, der Creizenach⸗ und der B. H. Goldſchmidt'ſchen Stipendienſtiftung zugewandt. Die Zinſen der dieſer letzteren zukommenden 15000 Gulden ſollen im Sinne der Zuſatzbeſtimmungen zu§. 13 der Statuten zu Stipendien für ſolche junge Leute, ohne Rückſicht auf deren Heimath, verwendet werden, welche ſich für das Lehramt, ſei es an einer Univerſität oder in einem Lehrer⸗Seminar, vorbereiten. Die Widmung für die Creizenach⸗Stiftung, welche zugleich ein Denkmal der Pietät gegen unſere Schule iſt, mag hier wörtlich ſo folgen, wie ſie in einem Briefe des Herrn Leopold B. H. Gold⸗ ſchmidt an den Unterzeichneten ausgedrückt iſt:Meine Abſicht iſt, zu ehrendem Andenken meines geliebten Vaters und auch in dankbarer Erinnerung an den Unterricht, welchen ich in der israeli⸗ tiſchen Volks⸗ und Realſchule genoſſen, die Summe von 15000 fl. zu beſtimmen zu einer Annex⸗ Stiftung für die Creizenach⸗Stiftung, welche den Namen meines Vaters zu tragen hätte. der Zinſen dieſer Summe ſollen verwendet werden zur Aufbeſſerung der von der Creizenach⸗Stiftung bewilligten Wittwengehalte; reſtirendes ½ ſoll verwendet werden zur Unterſtützung der im Amte befindlichen Lehrer der israelitiſchen Realſchule in Fällen von Krankheiten oder Badereiſen und zwar für die Lehrer ſelbſt oder deren Frauen und Kinder. Mein Wunſch iſt, daß die Zinſen der fl. 15000, wenn irgend möglich, jährlich ganz verwendet werden ſollen und kann zu dieſem Zwecke ein virement von dem ⁄1⸗Conto auf das ½⸗Conto und vice versa ſtattfinden.

Die Verwaltungen der B. H. Goldſchmidt'ſchen Stipendien⸗Stiftung und der Creizenach⸗Stiftung haben dieſe Widmungen mit gebührendem Dank angenommen, die Capitalien mit den ſchon vom 1. Juli 1873 zurückdatirten Zinſen empfangen, und beide Stiftungen ſofort in Wirkſamkeit geſetzt. Der Annex⸗Stiftung zur Creizenach⸗Stiftung iſt der Name B. H. Goldſchmidt⸗Stiftung beigelegt worden.

Mehr als jedes Wort des Dankes ehrt eine ſolche That ſelbſt den Mann.

Wir bemerken bei dieſer Gelegenheit, daß an die Stelle des verſtorbenen Herrn B. H. Gold⸗ ſchmidt deſſen Sohn, Herr Adolph B H. Goldſchmidt, in die Verwaltung der Creizenach⸗Stiftung gewählt worden und eingetreten iſt.