19 Keine Not geht jenem so nahe, als da er Volker erschlagen sieht, seine Hilfe, seinen besten Heergesellen:
Dô sach von Tronege Hagene Volkéren tôt:
daz was zer hochgezite sin allermeistiu nôt,
die er dd héête gewunnen an magen unt an man. owè, wie grimme Hagene den helt d' rechen began!
„Nune sol es niht geniezen der alde Hildebrant:
min helfe lit, erslagene hie von des heldes hant,
der beste her geselle, den ieman gewan.“
den schilt den ructer hoͤher: do gie er houwende dan.(350, 1.2.)
Rächend haut er dem alten Hildebrand die Wunde, die nie mehr heilt.
Die Charaktere passen auch gut zu einander. Beide sind die tapfersten und kühnsteu Mannen der Burgundenkönige; ja, sie sind die bedeutend- sten Helden der Burgunden überhaupt. Beide sind Doppelnaturen. Hier Hagen, der grösste Held, der„Trost der Nibelungen“, ein Charakter, der abstossend und anziehend zugleich, neben grosser Gemütstiefe die bedeutendste Geisteskraft entfaltet; der Mann, welcher dem Schicksal, das er durch seinen Meuchelmord selbst heraufbeschworen, Trotz bietet und der letzte unter den Trümmern zusammenbricht— dort Volker, der edle, liebenswürdige Spielmann, der schon durch seine herrliche Kunst alle Herzen gewinnen muss; ein oftenes, Heiterkeit und Scherz liebendes Gemüt, der grössten Hingebung fähig; aber auch ein kampfgeübter, ge- waltiger Held, der das Schwert zu führen weiss, die Hunnen und Ame- lungen verhöhnt und ein Schrecken der Feinde ist;— beide aber durch- drungen von einem Gefühle, dem der unverbrüchlichen Vasallentreue: so muss einer in dem andern seinen natürlichsten Bundesgenossen sehen.
Und dieser treue Freundesbund erscheint uns um so sympathischer, als er gerade vor dem unvermeidlichen Untergange der Burgunden in das hellste Licht tritt und deren letzte, kräftige Schutzwehr bildet; er ist wie ein letzter Strahl, den die Sonne noch einmal verklärend auf der verratenen Heldenschar ruhen lässt, ehe sie plutigrot für immer von den Nibelungen scheidet.—
Zum Schlusse sei noch kurz jener deutschen und derjenigen damit verwandten nordischen Lieder und Sagen Erwähnung getan, in die Vol- ker aus dem Nibelungenliede übergegangen ist.
In der Thidrekssaga, einem um die Mitte des XIII. Jahr- hunderts in Norwegen oder Island entstandenen Unterhaltungsbuche, wo- rin eine ganze Menge von Sagen um den deutschen Nationalhelden Diet-
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