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Vorliebe und wusste es zu einem der anziehendsten des ganzen Liedes zu gestalten.— Wenn seine edle Abkunft ausdrücklich hervorgehoben wird; wenn wir in seinem Gefolge viele tapfere Recken sehen, denen er so kostbare Kleider gibt, dass ein König ihrer sich nicht zu schämen brauchte; wenn also der Spielmann seinen Dienstmannen dasjenige in reichem Masse spendet, was andere Spielleute als Lohn zu empfangen pflegen: so wird er schon dadurch vom Dichter in leuchtenden Gegen- satz zu den gewöhnlichen fahrenden Leuten gestellt, wäre er nicht ausser- dem ein gewaltiger Held, der im Verlauf des Gedichtes wie zur Warung seiner Heldenehre ein auszeichnendes Beiwort führt:„der küene, starke, guote, snelle(mhd. snel= kräftig) spilman.“ Wenn er im Saale zu Pechlarn, wo an reichbesetzter Tafel, bei gutem Weine den Nibelungen das Herz aufgeht, mit heiterem Humor launige Reden führt und zum Abschied sich züchtig vor die Hausfrau stellt, süsse Töne fiedelt und ihr seine Lieder singt, gleich andern Spielleuten; und wieder, wenn er in Etzels Saale im Hunnenlande wie ein wilder Eber ficht und doch ein Spielmann ist: so musste dieser Gegensatz den Zeitgenossen des Liedes überaus ergötzlich vorkommen. Die Ironie dieses Gegensatzes führte den Dichter zu zalreichen scherzhaften Vergleichen seines Schwertes mit dem Fiedelbogen.¹) Ueberhaupt trägt Volkers Erscheinung im Liede neben dem durchaus heldenhaften auch einen scherzhaften Charakter an sich; ähn- lich, wie in den Rosengartenliedern der streitbare Mönch IIsan, der in einem dieser Lieder in ergötzlicher Weise Volkern im Kampfe gegen- übergestellt ist: der kahle Mönch mit dem lichten, scharfen Predigerstabe — dem Spielmann mit dem blutigen Fiedelbogen.
Ein interessanter Zug in Volkers Charakter ist seine innige Freund- schaft mit Hagen. Im Liede wird diese Freundschaft zwar nirgends be- gründet; auch in andern Sagen nicht. Es ist die freigewählte Heerge- sellenschaft, wie sie, so getreulich die burgundischen Helden in der letzten Not alle zusammenhalten, doch zwischen dem Spielmanne und Hagen noch insbesondere besteht.— Auf der Reise ins Hunnenland findet sich zum erstenmale eine völlige Uebereinstimmung der Gesinnungen beider Helden(swaz ie begunde Hagene, daz düht den videlaere guot). Enger an einander schliessen sie sich erst nach der Ankunft der Burgunden an Etzels Hofe, als sie schon durch schlimme Anzeichen gewarnt sind- Da blickt Hagen über die Achsel nach einem Heergesellen, den er in dem kühnen Spielmann gewinnt. Fortan stehen sie überall zusammen, behalten einander wohl im Auge, erfreuen sich einer an des andern Wort und Tat; wem von Hagen Friede ward, der hat ihn auch von Volker.
¹) Nib. Zarncke s. 272, 6(= Nib. Lachmann 1723). 278, 4(1759). 301, 6 (1903). 303, 2(1913). 306, 7(1939). 307, 4(1943). 307, 6, 7(1944). 347, 2. 3(2206, 2207).


